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Fortbildung
  Der Weg zur optimierten Abformung
Ein Erfahrungsbericht


Dr. Gerhard Hetz, München

Zum Inhaltsverzeichnis
  Ein Abformsystem, das ungenaue oder nicht reproduzierbare Ergebnisse zeigt, ist unwirtschaftlich. An den Materialkosten zu sparen macht deshalb erst dann Sinn, wenn eine zeitgemäße Präzision sichergestellt ist. In einem Erfahrungsbericht werden Probleme mit der Abformung analysiert, Vergleiche unterschiedlicher Abformmaterialien angestellt und ein System mit Komfort vorgestellt.

Wo genau liegen heute die Probleme einer unpräzisen Abformung, die Zahnarzt und Zahntechniker vor zeitaufwendige und teilweise auch vollkommen unlösbare Probleme stellen? Aus der täglichen zahnärztlichen Praxis sind die Hauptstörungen hinlänglich bekannt:
Mischungsfehler (zu langes oder zu kurzes Mischen, Aktivator Über-, Unterdosierung), ungenügende Hydrophilie und damit nicht ausreichende Darstellung der subgingivalen Präparationsgrenzen, nicht ausreichender Druck des Abformmaterials am Zahnstumpf, zu große Härte der abgebundenen Abformung.

Problemanalyse
Andere Probleme, z.B. wegen geringer Dimensionstreue des Abformmaterials oder Störungen durch Interaktionen zwischen Abformmaterial und Modellgips treten kaum noch auf, weil die heute gebräuchlichen Abformmaterialien sehr ausgeklügelt sind. Bisher war davon auszugehen, dass A-Silikone (additionsvernetzende Silikone) dimensionsstabiler als C-(K-)Silikone (kondensationsvernetzende Silikone) sind. C-Silikone binden "polykondensativ" ab, bei der Vernetzung werden niedermolekulare Verbindungen freigesetzt, die zu einer Schrumpfung führen. Daher war es nötig, Abformungen auf C-Silikonbasis sehr rasch auszugießen. Dies und die einfache Verarbeitung durch Kartuschensysteme, bei denen keine Anmischfehler mehr vorkommen können, haben dazu geführt, dass trotz diverser Vorteile der C-Silikone (niedriger Preis, hohe anfängliche Hydrophilie, keine Abbindestörungen durch Latexhandschuhe oder Retraktionslösungen) immer mehr A-Silikone eingesetzt wurden. Praktiker von anderen Abformsystemen, wie z.B. Hydrokolloid oder Polyether, sind meist so auf ihr Material eingeschworen, dass sie für Argumenten wenig zugänglich sind; trotzdem hat der Einsatz von Hydrokolloid mittlerweile mengenmäßig keine Bedeutung mehr.
Alle genannten Materialien haben spezifische Vor- und Nachteile. Die Fa. Heraeus-Kulzer hat ihre Erfolgsabformmaterialien Optosil und Xantopren sehr gründlich überarbeitet. Ziel war es, die Vorteile von A- und C-Silikonen in einem System zu vereinen. Eine praxisnahe vergleichende Beurteilung soll im Folgenden abgegeben werden.

Optosil/Xantopren: System mit Komfort
Für den in der Praxis tätigen Zahnarzt und seine Mitarbeiter stellt das Handling eines Materials einen besonders wichtigen Parameter für die Beurteilung eines Materials dar. Je einfacher ein Material zu verarbeiten ist, desto geringer ist die Gefahr von Fehlermöglichkeiten durch Überlastung, Stress oder Unachtsamkeit.

Handling
Das Comfort-System besteht aus
einem knetbaren Putty (Optosil Comfort) als Vorabformmasse bei Korrekturabformungen bzw. Trägermasse bei Sandwichabformungen (siehe Abbildungen). Die dünnfließende Komponente (Xantopren Comfort light) wird bevorzugt für die Korrekturabformung eingesetzt. Die mittelfließende Komponente (Xantopren Comfort medium) wird für die Sandwichtechnik und Schleimhautabformung angewendet. Es wurden sowohl Korrekturabformungen als auch Abformungen in der Sandwichtechnik vorgenommen.
Das Putty läßt sich leicht mit dem Pasten-Aktivator mischen. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, wie jeder, der mit C-Silikonen gearbeitet hat, bestätigen kann. Innerhalb sehr kurzer Zeit kann eine absolut homogene Mischung erzeugt werden. Das Material klebt nicht an den Handschuhen oder auf dem Mischblock. Beim Mischen hat man durch die unterschiedlichen Farben von Putty (gelb) und Aktivator Paste (rosa-rot) eine gute optische Mischkontrolle. Das angeknetete Putty lässt sich problemlos formen und in den Abformlöffel einbringen.
Es ist generell bei allen Abformungen zu empfehlen, vorher die Abformlöffel mit einem Haftvermittler zu präparieren, um ein unbemerktes Ablösen zu verhindern.

Das Material härtet rasch aus; der Abformlöffel kann sehr leicht aus dem Mund entnommen werden, weil Optosil Comfort offensichtlich relativ elastisch ist; hier ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Systemen erkennbar. A-Silikone oder Polyether wirken bedeutend härter und erfordern ein sorgfältiges Ausblocken von Unterschnitten in der Dentition. Insbesondere im Unterkiefer kann die Entnahme des Löffels bei einem "harten" Abformmaterial recht unangenehm für den Patienten und Behandler sein.

Mischungsfehler ausgeschlossen
Die Korrekturmaterialien (Xantopren Comfort light bzw. medium) werden in einem Kartuschen-System angemischt, wie man es von A-Silikonen kennt. Mischungsfehler sind so definitiv ausgeschlossen, ebenso wie Luftblasen, Inhomogenitäten oder Materialverschwendung, wie sie bei Handanmischung fast zwangsläufig auftreten.

Gezielte Applikation
Das aus der Mischkartusche austretende Abformmaterial ist leicht zu plazieren. So kann der Sulkus gut aufgefüllt werden; als Vorzug des neuen Xantopren Comfort ist zu nennen, dass auch bei einer lässigen Umspritzung des präparierten Zahnes das dünnfließende Material, offensichtlich der deutlichen Hydrophilie wegen, tief in den Sulkus eindringt. Die Präparationsgrenzen sind so auch bei tief subgingival gelegenen Präparationen eindeutig darzustellen (grundsätzlich ist für eine gezielte Applikation des Korrekturmaterials in den Sulkus die Verwendung einer Applikationsspritze zu empfehlen).

Hier scheint ein ausgeprägter Unterschied zu anderen Systemen gegeben; Hydrokolloid scheidet in solchen Situationen per se aus, und A-Silikone sind, trotz großer Verbesserungen, heute eigenen Erfahrungen nach immer noch nicht in der Lage, quasi selbständig in die Tiefe zwischen Zahn und Gingiva vorzudringen. Auch bei vermeintlich perfekter Vorbereitung durch Retraktionsfäden und Trockenlegung konnte nie sichergestellt werden, dass nicht nach dem Entfernen der Fäden wieder Sulkus-Flüssigkeit oder Blut eindringen, die vom normalen A-Silikon nicht aufgenommen werden können.
Hier zeigt sich die Überlegenheit von Xantopren Comfort: Es benetzt Stumpf und Sulkus vollständig und blasenfrei. Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung von Prof. Dr. Bernd Wöstmann, Gießen, ist die Genauigkeit der Wiedergabe bei Xantopren Comfort im trockenen wie im feuchten Milieu gleich hoch; dies wird bei A-Silikonen so nicht erreicht.
Polyether haben ebenfalls sehr hydrophile Eigenschaften; nachteilig ist dabei jedoch die extrem große Härte und Unnachgiebigkeit, die erheblichen Kraftaufwand bei der Entnahme aus dem Mund erfordert, sowie der für Patienten besonders unangenehme Geschmack. Daneben klebt Polyether und ist wirklich nicht einfach zu "handeln" - wer hätte es noch nicht erlebt, dass bei größeren Arbeiten das Material schon aushärtet, bevor alle Stümpfe umspritzt sind ...

Das Comfort System zeigte sich auch sicher bei der Verbindung zwischen Putty und dünnfließendem Material. Bei A-Silikonen kann man schon einmal beobachten, dass sich beide Materialien nicht perfekt verbinden.
Ein solcher Effekt konnte beim Comfort System weder bei der Korrekturabformung noch bei der einzeitigen Methode beobachtet werden. Die Materialien gehen sowohl im vernetzten als auch unvernetzten Zustand eine innige und belastbare Verbindung ein.

Präzision
Für den Praktiker ist es unmöglich, Untersuchungen der Dimensionstreue vorzunehmen - dies wäre extrem aufwendig und in realistischer Zeit schon wegen fehlender qualifizierter Mitarbeiter nicht durchführbar. Für solche Untersuchungen sind die Wissenschaftler zuständig. In einer Studie haben Prof. Wöstmann und seine Mitarbeiter diesen Punkt untersucht. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass dieses moderne C-Silikon bezüglich Dimensionstreue den A-Silikonen gleichkommt; die gemessenen linearen Dimensionsänderungen lagen unter 0,3% nach 72 Stunden. Auch konnte in klinisch relevanten Zeiträumen keine weitere relevante Schrumpfung von den Forschern beobachtet werden. Die dem Praktiker zugängliche Beurteilung der Abformpräzision muss ebenfalls von einer großen Dimensionstreue der Abformung ausgehen; auffällig ist die enorme Detailtreue insbesondere im subgingivalen Bereich.

Preis
Bei Anwendung des Optosil/Xantopren-Comfort Systems kann davon ausgegangen werden, dass die zu erwartende Fehlerrate geringer ausfällt als bei anderen handelsüblichen Abformmaterialien. Somit kann man dem Materialpreis selbst größere Aufmerksamkeit schenken. Eine Abformung mit dem Optosil/ Xantopren-Comfort System stellt sich als überraschend preisgünstig dar; man kann von einem Preisvorteil gegenüber führenden Abformmaterialien von etwa 30% bis 50% ausgehen. In einer Zeit der Budgetierungen und andauernden Abwertungen der Prothetik sollte man heute unbedingt überlegen, ob gleich gute oder sogar bessere Ergebnisse mit einem geringeren Kostenaufwand für das Abformmaterial, nicht einen Versuch Wert sind.

Abb1
Konfektionierten Abformlöffel mit Universal Adhäsiv einstreichen, 2 Minuten trocknen lassen.
Quelle: Heraeus Kulzer
Abb2
Auftragen von Light oder Medium auf den vorgeformten Löffel mit Optosil Comfort Abformlöffel in den Mund einbringen.
Abb.3
Durch kurzen Druck das Spritzenmaterial zum Fließen bringen. Anschließend die Abformung drucklos 3 Minuten in situ halten und vollständig aushärten lassen.


 
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