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Politik
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| Mehr Markt - mehr
Chancen Die Gesundheitspolitik bleibt in Bewegung
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| Wie wenig die von der rot-grünen Bundesregierung
in Gang gesetzte Gesundheitsreform in der Lage ist, die langfristigen
Finanzierungsprobleme des Systems zu bewältigen, wird langsam auch
Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer klar. Ihre Vorschläge,
Risikozuschläge auf Sportgeräte zu erheben, Mieteinnahmen
krankenversicherungspflichtig zu machen oder nicht erwerbstätigen
Ehepartnern die Mitversicherung zu bestreiten, bedeuten nichts anderes, als
"mehr Geld ins System" zu schaufeln. Das gleiche Ziel verfolgte seinerzeit
Minister Horst Seehofer, wenn auch die Wege unterschiedlich waren. Seehofers
Konzept sah mehr Selbstverantwortung und Selbstbeteiligung der Patienten
vor. Dieses Konzept verfolgt die CSU auch heute noch.
Nachdem die Politik im Bereich der Wirtschafts- und Finanzpolitik angesichts
zunehmender Globalisierung an Grenzen stößt, wird die Sozialpolitik
mehr und mehr zum "Schlachtfeld" politischer Grundüberzeugungen und
Ideologien. Dennoch wissen die Parteien: Wer bei Rente, Gesundheit oder
Arbeitslosigkeit versagt, wird vom Wähler abgestraft. Und deshalb gibt
es, zumindest hinter den Kulissen, viel Bewegung. So scheint bei der Zukunft
der Rentenversicherung ein Durchbruch zum Greifen nah, nachdem Arbeitsminister
Riester erkannt hat, dass die langfristige Stabilität der Altersversorgung
nur durch private Vorsorgemodelle garantiert werden kann. Leider ist dieser
Ansatz mit dem Finanzministerium offensichtlich noch nicht synchronisiert
worden.
Reformkommission fordert ...
... Wettbewerb der Anbieter Auch die bayerische CSU hat sich bei ihrem Parteitag in Nürnberg, mehr aber noch bei der Vorlage ihrer Eckpunkte für eine sozial gerechtere Gesundheitsreform, für mehr Wettbewerb entschieden. Dabei ist die Forderung nach einem "Vertragswettbewerb" im bayerischen "Bündnis für Gesundheit" nicht ohne Widerspruch geblieben. Zu sehr trägt dieser Gedanke die Handschrift der Krankenkassen, wenn auch die CSU-Landesgruppe bei Vorlage ihres Papiers sich ebenso gegen das Einkaufsmodell wie auch gegen Preisverhandlungen des Patienten "auf dem Zahnarztstuhl" ausgesprochen hat. Noch mehr Sprengstoff enthält die Vorstellung, "das derzeitig nahezu ausschließlich körperschaftsorganisierte System schrittweise sowohl auf Seiten der Krankenkassen als auch auf Seiten der Leistungserbringer flexibilisiert" zu gestalten, um arztgruppenspezifische und kassenindividuelle Vertragsabschlüsse zuzulassen. Dabei bleibt es nach Auffassung der CSU der Selbstverwaltung eigenverantwortlich überlassen, in welchen Organisationsformen sich Leistungserbringer bzw. Krankenkassen für die Vertragsverhandlungen zusammenschließen.
Irritationen über Positionen der CSU Wettbewerb bringt (ökonomische) Freiheiten, aber auch Risiken. Vor allem wird der Wettbewerb - unter dem Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes - auch Rechte der Patienten zum Tragen bringen, die sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene von der Politik bereits formuliert werden. Und noch eines: Wettbewerb geht in unserem Fach über die Qualität und nicht nur über den Preis. Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass diese Qualitätsdiskussion offensiv, nicht defensiv geführt werden muss. Wer die berufliche Fortbildung als Zwang, wer Qualitätskriterien als Kontrolle definiert, hat bereits verloren. Mehr noch: Er riskiert, dass externe Institutionen die Qualität der Leistung, damit auch die Kosten und letztlich den Preis bestimmen. Solche Diskussionen, die der Berufsstand z.B. im Bereich der Fort- und Weiterbildung führen muss, mögen schmerzlich sein. Ihnen auszuweichen bedeutet, sich als Wettbewerbsteilnehmer vom Markt zu verabschieden. Alles zu belassen, wie es heute ist, heißt auch, die Strukturen fortzuschreiben. Dann aber sollte man keine Wahlleistungen fordern, wenn man Angst vor dem Markt hat. Offensichtlich ist es leichter, Angst vor zusätzlichen Risiken zu schüren, als konstruktiv über mögliche Chancen zu debattieren. |
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