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Die kurative zahnmedizinische Behandlung,
auch von jüngeren Kindern, hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung
gewonnen. Grund dafür ist die Erkenntnis, dass ein gesundes Milchgebiss
entscheidend für eine langfristige Mundgesundheit ist. In verschiedenen
Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein Zusammenhang zwischen Kariesinzidenz
im Milch- und im bleibenden Gebiss besteht. Die Füllungstherapie stellt
somit auch immer eine langfristige präventive Maßnahme dar.
Für die Behandlung von jüngeren Kindern stehen aufgrund deren
limitierter Belastbarkeit nur kurze Zeitintervalle pro Sitzung zur
Verfügung. Um das Kind nicht zu überfordern, ist eine
Behandlungssitzung auf maximal 30 Minuten begrenzt. Gerade deshalb ist ein
systematisches Vorgehen in der zahnärztlichen Betreuung von Kindern
besonders wichtig.
Systematisches Vorgehen - das A und O
Wie auch in der Erwachsenenbehandlung wird zuerst ein Therapieplan erstellt,
der eine genaue Diagnose voraussetzt. Die klinische Diagnostik wird dadurch
erleichtert, dass die Karieslokalisation altersabhängig
ist. Weist ein Kind unter drei Jahren eine kariöse Läsion auf,
betrifft diese in 75% der Fälle die oberen Frontzähne, labial oder
palatinal (Abb. 1, Oberkieferfront). Bei Kindern in der
Altersgruppe von drei bis sechs Jahren treten die ersten kariösen
Läsionen überwiegend im Approximalbereich an der Distalfläche
des ersten Milchmolaren auf, oder sie betreffen die Okklusionsflächen
des zweiten Milchmolaren. |
Dr. Jacqueline Esch
1992 Examen an der Universität Regensburg. 1992 bis 1994 Wissenschaftliche
Assistentin an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie in
Regensburg. 1994 Promotion über die Toxizität von zahnärztlichen
Füllungswerkstoffen.
1994 bis 1997 Assistenzzahnärztin an der Poliklinik für
zahnärztliche Prothetik in Regensburg. 1997 bis 1998 Tätigkeit
in freier Praxis, u.a. Kinderzahnheilkunde, Hypnose. Seit 1999 Tätigkeit
in eigener Praxis, Schwerpunkt: Behandlung von Kindern mit Lachgassedierung
und Intubationsnarkose. |
Auch bei Kindern über sechs Jahren, mit bis dahin gesundem Milchgebiss,
stellt die Okklusionsfläche der ersten bleibenden Molaren eine
Prädilektionsstelle dar. Gründe sind der für die Zahnpflege
schwer zugängliche Bereich, die noch unfertige Schmelzreifung und die
Infraokklusion.
Die Röntgendiagnostik - vorzugsweise Bissflügelaufnahmen - ist
zur Ergänzung der klinischen Untersuchungen unerlässlich, da aufgrund
des flächigen Approximalkontaktes der Milchzähne eine Initialkaries
in diesem Bereich schwer zu erkennen ist. Lässt sich aufgrund mangelnder
kindlicher Kooperation eine Paralleltechnik mit entsprechendem
Röntgenbildhalter nicht anwenden, können mit einem einfachen
Röntgenbildhalter Aufnahmen hergestellt werden (Abb. 2).
Da die tatsächliche Ausdehnung der Läsion die Größe
der Radioluzenz übertreffen kann und die Kariesprogression in
Milchzähnen schneller erfolgt, bedarf eine Dentinkaries einer sofortigen
therapeutischen Intervention.
Im Vergleich zum bleibenden Zahn findet beim Milchzahn nur in sehr geringem
Umfang eine Sekundär-Dentinbildung statt. Bei ausgedehnten kariösen
Läsionen sollte daher im Zweifelsfall zugunsten einer Vitalamputation
und gegen eine cp-Behandlung entschieden werden.
Lokalanästhesie
Schmerzfreiheit ist die Voraussetzung für eine effektive Durchführung
der konservierenden und chirurgischen Behandlung von Kindern. Mittel der
Wahl ist, vor allem im Unterkiefer und im Oberkiefer palatinal, die
intraligamentäre Lokalanästhesie. Diese kann nach Applikation eines
Oberflächenanästhetikums und langsamer Injektion
beinahe schmerzfrei durchgeführt werden. Durch diese Methode wird eine
ausreichende Anästhesie für konservierende und chirurgische
Maßnahmen erreicht (Abb. 3).
Kofferdam bei Kindern
Aufgrund des natürlichen Bewegungsdrangs des Kindes ist oft eine
ausreichende Trockenlegung des Arbeitsfeldes erschwert. Dies ist aber gerade
bei der Verarbeitung der gängigen Kunststoffe erforderlich und wird
durch die Verwendung von Kofferdam erreicht. Weitere Vorteile dieser Methode
sind Schutz der umliegenden Weichgewebe, Vermeidung unangenehmer
Geschmacksempfindungen, ein keimarmes Arbeitsfeld und die Möglichkeit,
eine Quadrantensanierung durchzuführen. Hierbei wird die Klammer auf
den zweiten Milchmolaren oder den ersten bleibenden Molaren appliziert.
Entscheidend für die kindliche Akzeptanz der Kofferdam-Applikation sind
einerseits eine effektive Lokalanästhesie und andererseits die
altersentsprechende Erläuterung von Seiten des Behandlers.
Quadrantensanierung
Die Quadrantensanierung unter Kofferdam bietet, gerade bei Kindern mit hoher
Kariesinzidenz, die Möglichkeit einer effektiven und qualitativ hochwertigen
zahnärztlichen Versorgung in relativ kurzer Zeit. Weiterer Vorteil ist,
dass somit die Sanierung des Milchgebisses auf maximal vier Sitzungen reduziert
werden kann.
Eine Quadrantensanierung kann folgendermaßen aussehen: Versiegelung
des ersten bleibenden Molaren, Füllungstherapie bei erstem und zweitem
Milchmolar oder Versiegelung des zweiten Milchmolaren und
Vitalamputation des ersten Milchmolaren und anschließend Versorgung
mit einer Kinderkrone (Abb. 4 und 5).
Tritt Karies schon bei Kindern im Vorschulalter auf, herrscht eine kariesaktive
Mundflora vor. Es ist daher wichtig, dass neben intensiven präventiven
Maßnahmen eine qualitativ hochwertige kurative Behandlung
durchgeführt wird, mit dem Ziel, langfristig eine Kariesfreiheit dieser
Risikogruppe zu erreichen.
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Abbildung 3: Intraligamentäre Injektion nach
Applikation eines Oberflächenanästhetikums
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Abbildung 4: Quadrantensanierung, Vitalamputation
an Zahn 74, Füllungstherapie an Zahn 75
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Abbildung 5: Quadrantensanierung, Füllungstherapie
an Zahn 85, Versiegelung an Zahn 46
Fotos: Esch |
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