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  Zahnärzte in Bayern
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Fortbildung
  Konservierende Behandlung von Kindern
im Vorschulalter


Dr. Jacqueline Esch, München
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Dr. Jaqueline Etsch Die kurative zahnmedizinische Behandlung, auch von jüngeren Kindern, hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Grund dafür ist die Erkenntnis, dass ein gesundes Milchgebiss entscheidend für eine langfristige Mundgesundheit ist. In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein Zusammenhang zwischen Kariesinzidenz im Milch- und im bleibenden Gebiss besteht. Die Füllungstherapie stellt somit auch immer eine langfristige präventive Maßnahme dar.

Für die Behandlung von jüngeren Kindern stehen aufgrund deren limitierter Belastbarkeit nur kurze Zeitintervalle pro Sitzung zur Verfügung. Um das Kind nicht zu überfordern, ist eine Behandlungssitzung auf maximal 30 Minuten begrenzt. Gerade deshalb ist ein systematisches Vorgehen in der zahnärztlichen Betreuung von Kindern besonders wichtig.

Systematisches Vorgehen - das A und O
Wie auch in der Erwachsenenbehandlung wird zuerst ein Therapieplan erstellt, der eine genaue Diagnose voraussetzt. Die klinische Diagnostik wird dadurch erleichtert, dass die Karieslokalisation altersabhängig ist. Weist ein Kind unter drei Jahren eine kariöse Läsion auf, betrifft diese in 75% der Fälle die oberen Frontzähne, labial oder palatinal (Abb. 1, Oberkieferfront). Bei Kindern in der Altersgruppe von drei bis sechs Jahren treten die ersten kariösen Läsionen überwiegend im Approximalbereich an der Distalfläche des ersten Milchmolaren auf, oder sie betreffen die Okklusionsflächen des zweiten Milchmolaren.

Dr. Jacqueline Esch
1992 Examen an der Universität Regensburg. 1992 bis 1994 Wissenschaftliche Assistentin an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie in Regensburg. 1994 Promotion über die Toxizität von zahnärztlichen Füllungswerkstoffen.
1994 bis 1997 Assistenzzahnärztin an der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik in Regensburg. 1997 bis 1998 Tätigkeit in freier Praxis, u.a. Kinderzahnheilkunde, Hypnose. Seit 1999 Tätigkeit in eigener Praxis, Schwerpunkt: Behandlung von Kindern mit Lachgassedierung und Intubationsnarkose.

Auch bei Kindern über sechs Jahren, mit bis dahin gesundem Milchgebiss, stellt die Okklusionsfläche der ersten bleibenden Molaren eine Prädilektionsstelle dar. Gründe sind der für die Zahnpflege schwer zugängliche Bereich, die noch unfertige Schmelzreifung und die Infraokklusion.

Die Röntgendiagnostik - vorzugsweise Bissflügelaufnahmen - ist zur Ergänzung der klinischen Untersuchungen unerlässlich, da aufgrund des flächigen Approximalkontaktes der Milchzähne eine Initialkaries in diesem Bereich schwer zu erkennen ist. Lässt sich aufgrund mangelnder kindlicher Kooperation eine Paralleltechnik mit entsprechendem Röntgenbildhalter nicht anwenden, können mit einem einfachen Röntgenbildhalter Aufnahmen hergestellt werden (Abb. 2).

Da die tatsächliche Ausdehnung der Läsion die Größe der Radioluzenz übertreffen kann und die Kariesprogression in Milchzähnen schneller erfolgt, bedarf eine Dentinkaries einer sofortigen therapeutischen Intervention.

Im Vergleich zum bleibenden Zahn findet beim Milchzahn nur in sehr geringem Umfang eine Sekundär-Dentinbildung statt. Bei ausgedehnten kariösen Läsionen sollte daher im Zweifelsfall zugunsten einer Vitalamputation und gegen eine cp-Behandlung entschieden werden.

Lokalanästhesie
Schmerzfreiheit ist die Voraussetzung für eine effektive Durchführung der konservierenden und chirurgischen Behandlung von Kindern. Mittel der Wahl ist, vor allem im Unterkiefer und im Oberkiefer palatinal, die intraligamentäre Lokalanästhesie. Diese kann nach Applikation eines Oberflächenanästhetikums und langsamer Injektion beinahe schmerzfrei durchgeführt werden. Durch diese Methode wird eine ausreichende Anästhesie für konservierende und chirurgische Maßnahmen erreicht (Abb. 3).

Kofferdam bei Kindern
Aufgrund des natürlichen Bewegungsdrangs des Kindes ist oft eine ausreichende Trockenlegung des Arbeitsfeldes erschwert. Dies ist aber gerade bei der Verarbeitung der gängigen Kunststoffe erforderlich und wird durch die Verwendung von Kofferdam erreicht. Weitere Vorteile dieser Methode sind Schutz der umliegenden Weichgewebe, Vermeidung unangenehmer Geschmacksempfindungen, ein keimarmes Arbeitsfeld und die Möglichkeit, eine Quadrantensanierung durchzuführen. Hierbei wird die Klammer auf den zweiten Milchmolaren oder den ersten bleibenden Molaren appliziert.

Entscheidend für die kindliche Akzeptanz der Kofferdam-Applikation sind einerseits eine effektive Lokalanästhesie und andererseits die altersentsprechende Erläuterung von Seiten des Behandlers.

Quadrantensanierung
Die Quadrantensanierung unter Kofferdam bietet, gerade bei Kindern mit hoher Kariesinzidenz, die Möglichkeit einer effektiven und qualitativ hochwertigen zahnärztlichen Versorgung in relativ kurzer Zeit. Weiterer Vorteil ist, dass somit die Sanierung des Milchgebisses auf maximal vier Sitzungen reduziert werden kann.

Eine Quadrantensanierung kann folgendermaßen aussehen: Versiegelung des ersten bleibenden Molaren, Füllungstherapie bei erstem und zweitem Milchmolar oder Versiegelung des zweiten Milchmolaren und Vitalamputation des ersten Milchmolaren und anschließend Versorgung mit einer Kinderkrone (Abb. 4 und 5).

Tritt Karies schon bei Kindern im Vorschulalter auf, herrscht eine kariesaktive Mundflora vor. Es ist daher wichtig, dass neben intensiven präventiven Maßnahmen eine qualitativ hochwertige kurative Behandlung durchgeführt wird, mit dem Ziel, langfristig eine Kariesfreiheit dieser Risikogruppe zu erreichen.

Abb.1
Abbildung 1: Karies im Wechselgebiss
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Abb.2
Abbildung 2: Bissflügelaufnahme
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ABb.3
Abbildung 3: Intraligamentäre Injektion nach Applikation eines Oberflächenanästhetikums
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Abb.4 Abb.5
Abbildung 4: Quadrantensanierung, Vitalamputation an Zahn 74, Füllungstherapie an Zahn 75
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Abbildung 5: Quadrantensanierung, Füllungstherapie an Zahn 85, Versiegelung an Zahn 46
Fotos: Esch


 
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