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Fortbildung
  Spezialbohrer für Kinderzähne
Erfahrungsbericht über das
KinderDent Präp Set


Dr. Cheryl Lee Butz, München

Zum Inhaltsverzeichnis
 

Die Milchzahnbehandlung unterliegt besonderen Anforderungen. Die Schmelz- und Dentinschicht ist im Vergleich zu permanenten Zähnen extrem dünn, und es muss substanzschonend sowie anatomisch korrekt präpariert werden. Um diese Bedingungen erfüllen zu können, ist die Auswahl des richtigen Instrumentariums wichtig. Die Autorin berichtet von praktischen Erfahrungen mit einem ganz neuen Bohrerset, dem KinderDent Präp Set 2600, das speziell für das Milch- und Wechselgebiss zusammen mit der Hager & Meisinger GmbH entwickelt wurde. Diese Präparierinstrumente haben sich im Verlauf von zehn Jahren in einer auf die Kinderbehandlung ausgerichteten Zahnarztpraxis als die wichtigsten Bohrer für die Behandlung der kleinen Patienten bewährt.

Ganz entscheidend in der Kinderbehandlung ist die Systematisierung der einzelnen Behandlungsabläufe, damit sie zügig und effizient durchgeführt werden können. Vor allem bei Kleinkindern ist der Zeitfaktor, d.h. die Dauer der Behandlung, ausschlaggebend dafür, ob ein Behandlungstermin "gelingt" oder in einem Behandlungsabbruch endet.

Warum ein besonderes Bohrerset?
Die Auswahl der geeigneten Bohrer aus dem umfangreichen Angebot, das in einer Praxis normalerweise vorhanden ist, soll zeitlich nicht unterschätzt werden. Durch das KinderDent Präp Set werden alle Präparierinstrumente, die für die Behandlung im Milch- und Wechselgebiss notwendig sind, auf einem übersichtlichen Bohrerständer präsentiert. So ist die Auswahl des richtigen Bohrers schnell und effizient vom Behandler durchzuführen.

  • Eine Belagsentfernung vor der Behandlung sollte möglich sein.
  • Es muss sich für minimalinvasive Techniken eignen.
  • Es muss Schmelz und Dentin schonend, aber zügig entfernen können.
  • Es muss das Exkavieren von sämtlichen Bereichen am Milchzahn und am jungen bleibenden Zahn ermöglichen.
  • Es muss das Trepanieren von Milchzähnen erlauben.
  • Es muss möglich sein, bei Milchzähnen oder bleibenden Zähnen Pulpagewebe zu entfernen.
  • Es muss sich zur Präparation von vorgefertigten Kinderstahlkronen eignen.
  • Es muss die Bearbeitung der Füllungen gewährleisten.
  • Es sollte in einer Verpackung sein, die sterilisierbar ist und in der die Bohrer gut aufbewahrt sind.

Das Set besteht aus insgesamt zwölf verschiedenen rotierenden Instrumenten:

  • aus Polierbürste, mit der man eine koronale Politur durchführen kann (116 Wst. 060);
  • aus drei Rosenbohrern in den Größen klein, mittel und groß (HM1 W 006 - HM1S W 010 und HM1S W 014);
  • aus einem sehr kleinen Hartmetallbohrer in Birnenform, der für die Präparation von Klasse I- und -II-Füllungen an Milchmolaren und jungen permanenten Zähnen geeignet ist (HM7L FG 008);
  • aus einem Diamant, der zur Trepanation von Milchzähnen geeignet ist (808 RG FG 014);
  • aus drei Diamanten, die in der groben Ausführung zum Präparieren von Stahlkronen (858 FG 014) und in der feinen Ausführung zum Formen, Glätten und Vorpolieren von gelegten Füllungen geeignet sind (858 C FG 014 und 831 C FG 016);
  • aus einem Arkansas-Stein, der sich ebenfalls zur Bearbeitung von Füllungen aus modernen Materialien eignet (666 XF FG 025).

Die einzelnen Einsatzbereiche

Die koronale Politur
Die KinderDent-Polierbürste ist für eine sogenannte "koronale Politur" beim kindlichen Patienten geeignet. Diese ist nicht mit einem Polierkelch zu vergleichen, der in der Mundhygiene zur Belagsentfernung verwendet wird. Vielmehr dient der Einsatz dieser Bürste am Anfang einer Zahnbehandlung eines Kindes (besonders bei kleinen oder ängstlichen Kindern) vornehmlich zur Entspannung und Einstimmung auf die Behandlungssituation. Kinder brauchen ein paar Minuten, um sich an die Situation im Zahnarztstuhl zu gewöhnen.

Gegebenenfalls kann man bei extrem ängstlichen oder sehr kleinen Kindern erst mit einer Handzahnbürste und mit normaler Kinderzahnpasta beginnen, um dann zu rotierenden Instrumenten mit der Erklärung überzuleiten "wir haben schon den großen Schmutz weggeputzt mit der Handzahnbürste, und jetzt putzen wir mit der elektrischen Zahnbürste noch ein bisschen". So wird ein spielerischer Übergang zum Winkelstück geschaffen, ohne dass das Kind an einen Bohrer denkt.

Entfernung von kleiner okklusaler Karies
Genauso kann man auch weiterleitend dem Kind erklären, dass die mittelgroße Bürste bereits den mittelgroßen Schmutz entfernt hat und nun die Rillen in den Zähnen mit einer "klitzekleinen Bürste, nämlich einer Rosenbürste" geputzt werden müssen. Viele kleine okklusale Läsionen lassen sich in einem frühen Stadium so bewältigen. Minimalinvasive Techniken wie z.B. eine erweiterte Versiegelung oder kleinste Füllungen lassen sich gut mit diesem sehr kleinen Instrument präparieren. Dadurch, dass dieser Bohrer aus Hartmetall ist, wird eine zu starke Entfernung der Milchzahnsubstanz vermieden.

Entfernung okklusaler und approximaler Schmelz- und Dentinkaries
Approximale Karies und Karies, die bis ins Dentin vorgedrungen ist, sollte in der Regel nicht ohne Injektion und Kofferdam behandelt werden. Das KinderDent Präp Set sieht für die substanzschonende Präparation okklusaler Kavitäten und Klasse-II-Kavitäten im Milchzahnbereich einen Hartmetallbohrer (HM7L FG 008) vor. Dieses Präparierinstrument arbeitet besonders schonend und ist für die Gestaltung einer approximalen Box in Klasse-II-Kavitäten besonders gut geeignet (Abb. 1). Schmelz und Dentin können schonend, aber zügig entfernt werden. Er bietet geringfügig mehr Widerstand als die gleiche Form in Diamantausführung, so dass gefühlvoll präpariert werden kann. Dies ist von besonderem Vorteil bei den weichen Milchzähnen, wo sehr schnell im approximalen Bereich zu breit präpariert wird. Durch die vorgegebene Breite ist eine nahezu ideale mesiodistale Gestaltung der Box leicht zu erreichen, ein sicherer Abstand zu der Milchzahnpulpa ist bei korrekter Anwendung gegeben (Abb. 2).

Bei einer Klasse-II-Präparation ist es besonders wichtig, auf runde weiche Formen ohne Stufen, Kanten oder scharfe Winkel zu achten. Der Boden der okklusalen Kavität muss ausreichend tief sein (1 bis 1,5 mm), und der Isthmus darf nicht zu schmal sein. Die bukkolinguale Ausdehnung der Füllung sollte ein Drittel der Breite des Zahnes nicht überschreiten. Falls die Ränder der Füllung diese Maximalbreite deutlich überschreiten, ist ein stabiler Füllungshalt auch bei neueren Füllungsmaterialien nicht gegeben und die Versorgung mit einer konfektionierten pädiatrischen Kinderkrone indiziert.

Auch bei okklusal-palatinaler Fissurenkaries, die bei oberen 6ern häufig im jugendlichen Gebiss zu beobachten ist, kann durch diesen kleinen Hartmetallbohrer minimalinvasiv die Fissur aufgezogen werden.

Präparation einer konfektionierten Stahlkrone für Milchmolaren
Der knospenförmige Diamant ist in der groben Ausführung zur okklusalen Reduktion und seitlichen Anschrägung der okklusalen Fläche von Milchmolaren vorgesehen. Deren Form erlaubt es, das natürliche Höckerrelief in der fertigen Präparation wiederzugeben (830 FG 023) (Abb. 3).
Die Separation der Zähne und Konturierung des zervikalen Bereiches erfolgt danach mit dem schlanken spitzen Diamant (858 FG 014) (Abb. 4).

Trepanation vom Milchmolaren und Entfernung von Pulpagewebe
Die Entfernung von Milchzahn-Pulpa-Gewebe zur Durchführung sämtlicher Arten von Amputationsverfahren kann je nach Bedarf entweder mit der schnellen Turbine und dem etwas größeren birnenförmigen Diamant (808 RG FG 014) oder mit dem langsamen Winkelstück und dem größten Rosenbohrer des KinderDent Präp Set s vorgenommen werden. Auch die Präparation von Oberkiefer-Milchfrontzähnen ist mit dem knospenförmigen (858 FG 014) und langen spitzen Diamanten (830 FG 023) in mittlerer und in feinkörniger Ausführung gut durchführbar (Abb. 5). Es wird gerade bei der "frühkindlichen Karies" (oder Flaschenkaries) vorteilhaft sein, Präparierinstrumente für die inzisale Reduktion und gegebenenfalls für die Separation der Zähne zur Hand zu haben.

Das KinderDent Präp Set wird mit ausführlicher Anleitung zur Präparation im Milch- und Wechselgebiss geliefert.

Bearbeitung der gelegten Füllungen
In der Regel kann man grobe Formkorrekturen mit dem feinkörnigen Diamanten in Knospen (830C FG 023 und 831C FG 016) und Spitzenform (858C FG 014) gut bewerkstelligen. Weiteres Glätten und Vorpolieren ist dann mit dem Arkansas-Stein (666XF FG 025) möglich. Eine eventuelle Hochglanz-Politur von hochwertigen Kunststoffen muss dann mit Polierinstrumenten gesondert vorgenommen werden. Diese Präparierinstrumente decken somit sämtliche Bereiche der Milchzahnbehandlung ab und können als Set exklusiv eingesetzt werden, weitere Präparierinstrumente werden nicht benötigt.

Abb.1
Abbildung 1: Klasse-II-Präparation
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Abb.2
Abbildung 2: Mesiodistale Gestaltung der approximalen Box
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ABb.3
Abbildung 3: Okklusale Reduktion
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Abb.4
Abbildung 4: Separation
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Abb.5
Abbildung 5: Präparation Oberkiefer Milch-Frontzähne
Quelle: Roloff
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