Die Milchzahnbehandlung unterliegt besonderen Anforderungen. Die Schmelz-
und Dentinschicht ist im Vergleich zu permanenten Zähnen extrem dünn,
und es muss substanzschonend sowie anatomisch korrekt präpariert werden.
Um diese Bedingungen erfüllen zu können, ist die Auswahl des richtigen
Instrumentariums wichtig. Die Autorin berichtet von praktischen Erfahrungen
mit einem ganz neuen Bohrerset, dem KinderDent Präp Set 2600, das speziell
für das Milch- und Wechselgebiss zusammen mit der Hager & Meisinger
GmbH entwickelt wurde. Diese Präparierinstrumente haben sich im Verlauf
von zehn Jahren in einer auf die Kinderbehandlung ausgerichteten Zahnarztpraxis
als die wichtigsten Bohrer für die Behandlung der kleinen Patienten
bewährt.
Ganz entscheidend in der Kinderbehandlung ist die Systematisierung der einzelnen
Behandlungsabläufe, damit sie zügig und effizient durchgeführt
werden können. Vor allem bei Kleinkindern ist der Zeitfaktor, d.h. die
Dauer der Behandlung, ausschlaggebend dafür, ob ein Behandlungstermin
"gelingt" oder in einem Behandlungsabbruch endet.
Warum ein besonderes Bohrerset?
Die Auswahl der geeigneten Bohrer aus dem umfangreichen Angebot, das in einer
Praxis normalerweise vorhanden ist, soll zeitlich nicht unterschätzt
werden. Durch das KinderDent Präp Set werden alle
Präparierinstrumente, die für die Behandlung im Milch- und
Wechselgebiss notwendig sind, auf einem übersichtlichen Bohrerständer
präsentiert. So ist die Auswahl des richtigen Bohrers schnell und effizient
vom Behandler durchzuführen.
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Eine Belagsentfernung vor der Behandlung sollte möglich sein.
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Es muss sich für minimalinvasive Techniken eignen.
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Es muss Schmelz und Dentin schonend, aber zügig entfernen können.
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Es muss das Exkavieren von sämtlichen Bereichen am Milchzahn und am
jungen bleibenden Zahn ermöglichen.
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Es muss das Trepanieren von Milchzähnen erlauben.
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Es muss möglich sein, bei Milchzähnen oder bleibenden Zähnen
Pulpagewebe zu entfernen.
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Es muss sich zur Präparation von vorgefertigten Kinderstahlkronen eignen.
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Es muss die Bearbeitung der Füllungen gewährleisten.
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Es sollte in einer Verpackung sein, die sterilisierbar ist und in der die
Bohrer gut aufbewahrt sind.
Das Set besteht aus insgesamt zwölf verschiedenen rotierenden
Instrumenten:
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aus Polierbürste, mit der man eine koronale Politur durchführen
kann (116 Wst. 060);
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aus drei Rosenbohrern in den Größen klein, mittel und groß
(HM1 W 006 - HM1S W 010 und HM1S W 014);
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aus einem sehr kleinen Hartmetallbohrer in Birnenform, der für die
Präparation von Klasse I- und -II-Füllungen an Milchmolaren und
jungen permanenten Zähnen geeignet ist (HM7L FG 008);
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aus einem Diamant, der zur Trepanation von Milchzähnen geeignet ist
(808 RG FG 014);
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aus drei Diamanten, die in der groben Ausführung zum Präparieren
von Stahlkronen (858 FG 014) und in der feinen Ausführung zum Formen,
Glätten und Vorpolieren von gelegten Füllungen geeignet sind (858
C FG 014 und 831 C FG 016);
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aus einem Arkansas-Stein, der sich ebenfalls zur Bearbeitung von Füllungen
aus modernen Materialien eignet (666 XF FG 025).
Die einzelnen Einsatzbereiche
Die koronale Politur
Die KinderDent-Polierbürste ist für eine sogenannte "koronale Politur"
beim kindlichen Patienten geeignet. Diese ist nicht mit einem Polierkelch
zu vergleichen, der in der Mundhygiene zur Belagsentfernung verwendet wird.
Vielmehr dient der Einsatz dieser Bürste am Anfang einer Zahnbehandlung
eines Kindes (besonders bei kleinen oder ängstlichen Kindern) vornehmlich
zur Entspannung und Einstimmung auf die Behandlungssituation. Kinder brauchen
ein paar Minuten, um sich an die Situation im Zahnarztstuhl zu gewöhnen.
Gegebenenfalls kann man bei extrem ängstlichen oder sehr kleinen Kindern
erst mit einer Handzahnbürste und mit normaler Kinderzahnpasta beginnen,
um dann zu rotierenden Instrumenten mit der Erklärung überzuleiten
"wir haben schon den großen Schmutz weggeputzt mit der
Handzahnbürste, und jetzt putzen wir mit der elektrischen Zahnbürste
noch ein bisschen". So wird ein spielerischer Übergang zum Winkelstück
geschaffen, ohne dass das Kind an einen Bohrer denkt.
Entfernung von kleiner okklusaler Karies
Genauso kann man auch weiterleitend dem Kind erklären, dass die
mittelgroße Bürste bereits den mittelgroßen Schmutz entfernt
hat und nun die Rillen in den Zähnen mit einer "klitzekleinen Bürste,
nämlich einer Rosenbürste" geputzt werden müssen. Viele kleine
okklusale Läsionen lassen sich in einem frühen Stadium so
bewältigen. Minimalinvasive Techniken wie z.B. eine erweiterte Versiegelung
oder kleinste Füllungen lassen sich gut mit diesem sehr kleinen Instrument
präparieren. Dadurch, dass dieser Bohrer aus Hartmetall ist, wird eine
zu starke Entfernung der Milchzahnsubstanz vermieden.
Entfernung okklusaler und approximaler Schmelz- und Dentinkaries
Approximale Karies und Karies, die bis ins Dentin vorgedrungen ist, sollte
in der Regel nicht ohne Injektion und Kofferdam behandelt werden. Das KinderDent
Präp Set sieht für die substanzschonende Präparation okklusaler
Kavitäten und Klasse-II-Kavitäten im Milchzahnbereich
einen Hartmetallbohrer (HM7L FG 008) vor. Dieses Präparierinstrument
arbeitet besonders schonend und ist für die Gestaltung einer approximalen
Box in Klasse-II-Kavitäten besonders gut geeignet (Abb.
1). Schmelz und Dentin können schonend, aber zügig entfernt
werden. Er bietet geringfügig mehr Widerstand als die gleiche Form in
Diamantausführung, so dass gefühlvoll präpariert werden kann.
Dies ist von besonderem Vorteil bei den weichen Milchzähnen, wo sehr
schnell im approximalen Bereich zu breit präpariert wird. Durch die
vorgegebene Breite ist eine nahezu ideale mesiodistale
Gestaltung der Box leicht zu erreichen, ein sicherer Abstand zu der
Milchzahnpulpa ist bei korrekter Anwendung gegeben (Abb. 2).
Bei einer Klasse-II-Präparation ist es besonders wichtig, auf runde
weiche Formen ohne Stufen, Kanten oder scharfe Winkel zu achten. Der Boden
der okklusalen Kavität muss ausreichend tief sein (1 bis 1,5 mm), und
der Isthmus darf nicht zu schmal sein. Die bukkolinguale Ausdehnung der
Füllung sollte ein Drittel der Breite des Zahnes nicht überschreiten.
Falls die Ränder der Füllung diese Maximalbreite deutlich
überschreiten, ist ein stabiler Füllungshalt auch bei neueren
Füllungsmaterialien nicht gegeben und die Versorgung mit einer
konfektionierten pädiatrischen Kinderkrone indiziert.
Auch bei okklusal-palatinaler Fissurenkaries, die bei oberen 6ern häufig
im jugendlichen Gebiss zu beobachten ist, kann durch diesen kleinen
Hartmetallbohrer minimalinvasiv die Fissur aufgezogen werden.
Präparation einer konfektionierten Stahlkrone für
Milchmolaren
Der knospenförmige Diamant ist in der groben Ausführung zur okklusalen
Reduktion und seitlichen Anschrägung der okklusalen
Fläche von Milchmolaren vorgesehen. Deren Form erlaubt es, das
natürliche Höckerrelief in der fertigen Präparation wiederzugeben
(830 FG 023) (Abb. 3).
Die Separation der Zähne und Konturierung des zervikalen
Bereiches erfolgt danach mit dem schlanken spitzen Diamant (858 FG 014)
(Abb. 4).
Trepanation vom Milchmolaren und Entfernung von Pulpagewebe
Die Entfernung von Milchzahn-Pulpa-Gewebe zur Durchführung sämtlicher
Arten von Amputationsverfahren kann je nach Bedarf entweder mit der schnellen
Turbine und dem etwas größeren birnenförmigen Diamant (808
RG FG 014) oder mit dem langsamen Winkelstück und dem größten
Rosenbohrer des KinderDent Präp Set s vorgenommen werden. Auch die
Präparation von Oberkiefer-Milchfrontzähnen ist mit dem
knospenförmigen (858 FG 014) und langen spitzen Diamanten
(830 FG 023) in mittlerer und in feinkörniger Ausführung gut
durchführbar (Abb. 5). Es wird gerade bei der
"frühkindlichen Karies" (oder Flaschenkaries) vorteilhaft sein,
Präparierinstrumente für die inzisale Reduktion und gegebenenfalls
für die Separation der Zähne zur Hand zu haben.
Das KinderDent Präp Set wird mit ausführlicher Anleitung zur
Präparation im Milch- und Wechselgebiss geliefert.
Bearbeitung der gelegten Füllungen
In der Regel kann man grobe Formkorrekturen mit dem feinkörnigen Diamanten
in Knospen (830C FG 023 und 831C FG 016) und Spitzenform (858C FG 014) gut
bewerkstelligen. Weiteres Glätten und Vorpolieren ist dann mit dem
Arkansas-Stein (666XF FG 025) möglich. Eine eventuelle Hochglanz-Politur
von hochwertigen Kunststoffen muss dann mit Polierinstrumenten gesondert
vorgenommen werden. Diese Präparierinstrumente decken somit sämtliche
Bereiche der Milchzahnbehandlung ab und können als Set exklusiv eingesetzt
werden, weitere Präparierinstrumente werden nicht benötigt.
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