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Entsteht infolge kariöser Kronenzerstörung oder
eines Traumas eine Zahnlücke, bieten sich verschiedene Arten kindgerechter
individueller prothetischer Lückenversorgung an. Der Beitrag informiert,
welche Aspekte zu beachten sind.
Einem altersentsprechend vollständigen Zahnbestand kommen gerade in
der Mundhöhle von Kindern und Jugendlichen wichtige Funktionen zu.
Dazu gehören:
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Kaufunktion, wobei Schneide- und Eckzähne das Abscheren, die Mahlzähne
die Zerkleinerung von harter Nahrung übernehmen.
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Einleitung der Vorverdauung durch Vermengung der zerkleinerten Nahrung mit
Speichel, dadurch auch Erhöhung der Gleitfähigkeit des Speisebreis
beim Schlucken.
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Mithilfe bei der Entwicklung eines gut geformten bleibenden Gebisses durch
zeitversetzten physiologischen Zahnwechsel.
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Fixierung der Unterkieferstellung durch Verzahnung zum Oberkiefer, dadurch
kontinuierliche Führung unter Schonung der Kiefergelenke.
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Mimische Entwicklung durch koordinierenden Einfluss auf die Mundmotorik.
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Ästhetische Ausstrahlung.
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Sprachmodulation (z.B. die Sicherstellung der S- und Zischlautbildung).
Weitreichende Folgen von Zahnlücken
Kommt es infolge kariöser Kronenzerstörung, traumatischen Zahnverlusts
oder durch die Nichtanlage von Zähnen zum pathologischen Befund einer
länger bestehenden Lückenbildung innerhalb der Zahnreihen, so werden
die oben beschriebenen Funktionen mit individuellen Unterschieden mehr oder
weniger eingeschränkt oder gar aufgehoben. Dies kann je nach Lebensalter
und Lebenssituation der betroffenen Kinder zu beträchtlichen Reduzierungen
im körperlichen und psychischen Wohlempfinden führen. Auch lässt
sich nicht leugnen, dass die Patienten und deren Familien nicht selten in
den Verdacht verminderter Symptomaufmerksamkeit oder gar sozialer
Anspruchslosigkeit und/ oder Vernachlässigung geraten.
Prothetische Versorgung: Das Kind muss "mitspielen"
Um dem zu entgehen, sind es gerade die Eltern, die auch schon bei kleineren
Jungen und Mädchen die Eingliederung kindgerechten Zahnersatzes zur
Lückenversorgung wünschen. Leider geschieht dies aber häufig,
ohne dass das Kind selbst bereits das Bedürfnis und damit auch die
Bereitschaft für eine derartig aufwendige Maßnahme in sich entwickelt
hat.
Wir mussten wiederholt die Erfahrung machen, dass dann, wenn der prothetische
Versorgungswunsch allein dem mütterlichen oder väterlichen Willen
entsprungen war, der Versuch dazu bereits bei der erforderlichen
Abdruckmaßnahme scheiterte. Hatten aber Leidenserlebnisse zu Zeiten
der noch vorhandenen zerstörten und verfärbten Zahnstummel oder
des Lückengebisses den Wunsch nach "schönen Zähnen" entstehen
lassen, so entwickelten die betroffenen Kinder zumeist eine erstaunliche
Kooperation. Das lässt den Schluss zu, dass sich prothetische
Maßnahmen im Kindesalter in der Regel erst dann realisieren lassen,
wenn sie sowohl vom kleinen Patienten als auch von der elterlichen Bezugsperson
gewünscht werden.
Besonderheiten bei der Vorbereitung
Dass darüber hinaus auch die fachpraktischen Besonderheiten bei der
Vorbereitung eines kindgerechten Zahnersatzes zu beachten sind, bedarf ebenfalls
der Erwähnung.
So gilt es, den bei Kindern unter der Verwendung von Abdrucklöffeln
und Speichelsaugern noch stärker ausgeprägten Würgereiz durch
Einübung spezieller Atemtechnik genauso zu überwinden wie die
anfängliche Scheu gegen die in der Mundhöhle als Fremdkörper
zu tragende Prothese - wobei derartige Probleme nicht generell auftreten
bzw. überwunden werden können.
Spektrum der Versorgungsarten
Die Versorgung mit Zahnersatz bei Kindern und Jugendlichen
muss individuell gestaltet werden. Dabei reicht die Bandbreite der
Maßnahmen von der Rekonstruktion kronenzerstörter Milchzähne
mittels Kunststoffaufbaus (Abb. 1 und 2) und Eingliederung
konfektionierter Kronen für den Seitenzahnbereich über klammergetragene
Kinderprothesen (Abb. 3 und 4) bis hin zu
Milchzahnbrücken.
Nur zeitbegrenzte Maßnahme
Bleibt zu ergänzen, dass alle für dieses frühe Lebensalter
zur Verfügung stehenden Behandlungsregimes unter der Prämisse der
sich durch Wachstum verändernden Mundhöhlenverhältnisse stehen.
Das heißt, jeder Zahnersatz stellt nur eine zeitbegrenzte Maßnahme
dar, die nicht selten mehrmals wiederholt und den sich wandelnden Bedingungen
angepasst werden muss. Insofern trifft auch zu, dass die prothetische Versorgung
im Kindesalter meist mit den Erfordernissen eines sich neu formierenden
bleibenden Zahnbestandes zu verbinden ist. Sie stellt somit ebenso eine
kieferregulierende und für die später in die Mundhöhle
einwachsenden Zähne auch eine prophylaktische Maßnahme dar.
Umgekehrt gilt selbstverständlich auch, dass die Eingliederung von
Zahnersatz nur bei den Kindern zu empfehlen ist, für die eine
zahngesundheitsförderliche Ernährung und Gebisspflege sichergestellt
ist.
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| Abbildung 5: Bei kleinen Prothesen, wie sie für
Kinder benötigt werden, besteht eine erhöhte Bruchgefahr. Eine
Goldnetzeinlage kann jedoch für Prothesen im Oberkiefer die gewünschte
Stabilität bringen, wie Zahntechnikerin Danielmeyer anhand eines
Diavortrages demonstrierte. |
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