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Fortbildung
  Fehlbildungen und Zahntraumata
Ursachen und Erscheinungsbild

Prof. Dr. Klaus Pieper, Marburg
Kuratorium perfekter Zahnersatz
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Anomalien der Zahngröße, Zahnzahl und Zahnform sowie Entwicklungsstörungen der Zahnhartgewebe sind - neben der Behandlung kariöser Zahnschäden - häufige Ursachen für therapeutische Eingriffe bei Kindern.

Die normale Zahnentwicklung, die sich über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren hinzieht, kann leicht durch erblich bedingte Fehlsteuerungen, Stoffwechselstörungen, Allgemeinerkrankungen sowie durch entzündliche oder chemische Irritationen gestört werden.

Variationen der Zahnzahl
Sowohl im Milch- als auch im Wechselgebiss kann die normale Zahl der Zähne überschritten werden. Viel häufiger sind allerdings Zahnunterzahlen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Das völlige Fehlen der Zähne (totale Anodontie) kommt sehr selten vor.
Einzelne Zahnunterzahlen treten häufig im Bereich der Weisheitszähne, des zweiten kleinen Backenzahnes und der seitlichen, oberen Schneidezähne auf. 2% bis 10% aller Menschen sind von solchen Zahnunterzahlen betroffen. Zahnunterzahlen werden häufig auch im Zusammenhang mit Syndromen (z.B. Down-Syndrom) und anderen Allgemeinerkrankungen beobachtet.

Abweichungen der Zahngröße und der Zahnform
Abweichungen der Zahnform kommen bei oberen seitlichen Schneide- und Weisheitszähnen am häufigsten vor. Diese Zähne können beispielsweise als Zapfenzähne ausgebildet sein. Eine besonders auffällige Variation der Zahnform stellt der "eingestülpte Zahn" (Dens invaginatus) dar. Diese Fehlbildung entsteht durch Einstülpung der Oberfläche einzelner Zähne und findet sich bei 0,25% bis 10% der Bevölkerung.
Sie sollte möglichst frühzeitig entdeckt und einer angemessenen (vorbeugenden) Behandlung zugeführt werden, damit weitergehende Schäden verhindert werden.

Entwicklungsstörungen der Zahnhartsubstanzen
Hier sind zunächst die erblichen Erkrankungen zu nennen, bei denen primär der Schmelz und/oder das Dentin betroffen sind. Sie treten meistens allein auf, können aber auch mit allgemeinen Erkrankungen vergesellschaftet sein.

Erblich bedingte Störungen
Bei der erblich bedingten Entwicklungsstörung des Schmelzes (Amelogenesis imperfecta) ist die Funktion der schmelzbildenden Zellen gestört, so dass chemisch, mengenmäßig oder vom Aufbau her schlechter Schmelz gebildet wird. Dabei ist die Struktur des Zahnbeins (Dentins) normal. Eine Amelogenesis imperfecta kann sich beispielsweise so auswirken, dass die Zahnkronen Tonnenform haben und sich auf den freien Flächen der Zähne zahlreiche Grübchen im Schmelz finden (Abb. 1).

Die erbliche Störung der Dentinbildung (Dentinogenesis imperfecta) gehört mit einem Vorkommen von 1:8.000 zu den am häufigsten vorkommenden Erbkrankheiten. Sie kann allein oder zusammen mit einer Knochenbildungsstörung (Osteogenesis imperfecta) auftreten. Bei dieser Erkrankung sind sowohl alle Milchzähne als auch alle bleibenden Zähne betroffen.
Vom Aussehen her erscheinen insbesondere die betroffenen Milchzähne bernsteinfarben (Abb. 2), bei den bleibenden Zähnen ist eher eine bläulich-graue Färbung zu beobachten (Abb. 3). Bei dieser Erkrankung nutzen sich die Zähne sehr schnell ab, weil der Schmelz frühzeitig absplittert.

Nichterbliche Schmelzbildungsstörungen (Schmelzhypoplasien)
Diese sichtbaren Schmelzbildungsstörungen können sich nur während der Entwicklung der Zahnkronen ausbilden. Für die Entstehung gibt es ein eng begrenztes Zeitfenster, das für die Milchzähne bis zum Ende des ersten Lebensjahres, für die bleibenden Zähne bis zum Ende des siebten Lebensjahres reicht. Schmelzhypoplasien sind deutlich sichtbare Schmelzdefekte, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Sie kommen dadurch zustande, dass die schmelzbildenden Zellen geschädigt oder in ihrem Stoffwechsel vorübergehend gestört werden.

Die Störung kann dabei allgemeiner Art sein (z.B. eine Störung des Stoffwechsels oder ein Vitaminmangel) oder örtlich begrenzt (Infektionen, Unfall). Eine chemische Schädigung kann durch Medikamente (wie z.B. das Antibiotikum Tetrazyklin) hervorgerufen werden.

Unfallbedingte Verletzungen der Zähne
Unfallbedingte Verletzungen der Zähne treten bei Kindern und Jugendlichen zunehmend häufiger auf. Verkehrsunfälle, insbesondere Fahrradunfälle sowie die wachsende Beliebtheit bestimmter Sportarten (Inline-Skating!) tragen wesentlich zu diesem Ansteigen bei.

Durch einen entsprechenden Unfall können komplexe Verletzungen des Gebisssystems hervorgerufen werden, meistens sind unterschiedliche Gewebestrukturen betroffen (Zahnhartsubstanzen, Pulpa, Parodontium und Kieferknochen). Im günstigsten Fall kommt es nur zu Schmelzfrakturen. Bei Schmelz-Dentin-Frakturen liegt bereits Zahnbein frei, wodurch es zu einer Infektion der Pulpa kommen kann.

In komplizierteren Fällen wird durch die Fraktur der Zahnkrone die Pulpa freigelegt (Abb. 4). Bei allen Fällen von Frakturen im Bereich der Zahnkrone sollte sich der betroffene Patient unbedingt sofort beim Zahnarzt vorstellen, damit die angemessenen Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden können und der betroffene Zahn erhalten werden kann. Häufig kommt es bei Zahnunfällen auch zum vollständigen Verlust eines Zahnes. Ein Trost: Solche Zähne können wieder replantiert werden. Erfolgversprechend ist eine solche Behandlung aber nur dann, wenn die Zeitspanne zwischen dem Verlust des Zahnes und der Replantation kurz war.

Unfallbedingte Schädigungen der Milchzähne können dazu führen, dass an den bleibenden Zähnen Mineralisationsstörungen mit "hässlichen" Schmelzfleckungen auftreten.

Abb.1
Abbildung 1: Eine Ausprägung der erblich bedingten Entwicklungsstörungen des Schmelzes (Amelogenesis imperfecta) ist die Tonnenform der Zahnkronen bei gleichzeitigem Auftreten zahlreicher Grübchen im Schmelz auf den freien Flächen der Zähne.
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Abb.2
Abbildung 2: Von der erblich bedingten Störung der Dentin-bildung (Dentinogenesis imperfecta) betroffene Milchzähne weisen häufig eine bernsteinfarbene Färbung auf.
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ABb.3
Abbildung 3: Sind bleibende Zähne von einer erblichen Störung der Dentinbildung (Dentinogenesis imperfecta) betroffen, nutzen sich die Zähne sehr schnell ab, weil der Schmelz frühzeitig absplittert. Außerdem ist oft eine bläulich-graue Färbung zu beobachten.
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Abb.4
Abbildung 4: Zu den komplizierten unfallbedingten Verletzungen von Zähnen gehören Fälle, bei denen durch die Fraktur der Zahnkrone die Pulpa freigelegt wird.

Fotos: Kuratorium perfekter Zahnersatz
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