Zur BLZK ZBay Online - ein Service der
BLZK und GlobalDent
 
  ZBay    
  Zahnärzte in Bayern
5 - 00


Fortbildung
  Spätfolgen nach Traumata bleibender Zähne bei Kindern
Klinische und radiologische Befunde einer retrospektiven Untersuchung


Dr. Michael Lechner, Bamberg

Zum Inhaltsverzeichnis
  Zahntraumata kommen bei Kindern sehr häufig vor. Passiert so etwas, wollen Eltern, aber auch Versicherungen, vom behandelnden Zahnarzt dessen Einschätzung über die Spätfolgen erfahren. An der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Kantonsspitals Luzern wurde daher von Thomas von Arx, Peter Wenger und Nicolas Hardt eine interessante Untersuchung durchgeführt, veröffentlicht in der Acta Med Dent Helv, Vol 3 11/1998.

Verletzungen bleibender Zähne stellen bei Kindern mit einer Prävalenz von 22% eine große Gefahr für die Zahngesundheit dar, die in Zukunft in ihrem Ausmaß Schäden etwa durch Karies und Parodontalerkrankungen noch übertreffen werden. Von Interesse sind vor allem die Langzeitauswirkungen der beobachteten Traumata, da natürlich die Eltern, zunehmend aber auch Versicherungen, eine Einschätzung der Spätfolgen von den behandelnden Ärzten verlangen.

Schweizer Untersuchung über Langzeitauswirkungen
In einer Studie am Luzerner Kantonsspital wurden 29 Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren untersucht. Sie wiesen Traumata (Kontusionen, Schmelzfrakturen, Luxationen) an 64 Zähnen (89% Oberkiefer-, 11% Unterkiefer-Frontzähne) auf.

Nach durchschnittlich drei Jahren wurde etwa die Hälfte der verunglückten Kinder wegen der zu erwartenden Spätfolgen nachuntersucht. Bei ca. 47% der geschädigten Zähne fanden sich pulpale und/oder parodontale Veränderungen - nach Frakturen in 23%, nach Luxationen 47% und nach kombinierten Fraktur-Luxationsverletzungen 63%, nach Schmelzfrakturen keine und nach Totalluxationen in jedem Falle. Zwei Zähne waren alio loco entfernt worden, was eine Überlebensrate von 97% der geschädigten Zähne ergibt. 62 der traumatisierten Zähne waren noch in situ und wurden wie folgt nachuntersucht:

Klinisch: Sensibilitätstest: 45% negativ (alle im Oberkiefer). Die Hälfte dieser Zähne war mit einer Wurzelfüllung versorgt worden. Rekonstruktionen: 32% Kunststoff-füllungen, ein Zahn war überkront worden.

Radiologisch: Wurzelresorption an 11% der Zähne, Pulpaobliteration in 14%, Pulpanekrosen bei 22%, periapikale Osteolyse an einem Zahn.

Entscheidend: Stadium des Wurzelwachstums zur Unfallzeit
Die Autoren stellten signifikante Unterschiede bezüglich der Schwere der Spätfolgen fest je nach Stadium des Wurzelwachstums zum Zeitpunkt des Traumas. Zähne mit noch weit offenen Apices zeigten zu 32% Spätfolgen, Zähne mit fortgeschrittenem oder gar abgeschlossenem Wurzelwachstum in 52%.

Spezifische Spätfolgen
Verschiedene Verletzungen zogen auch unterschiedliche Spätfolgen nach sich:

  • Zahnfrakturen: hauptsächlich Pulpanekrosen (PN), nur äußerst selten eine Pulpaobliteration (PO) oder eine Wurzelresorption (WR);
  • Kronenfraktur mit Pulpabeteiligung: häufig PN (23%);
  • kombinierte Traumata, wie etwa Wurzelfrakturen: zu 47% PN;
  • Luxationen: hauptsächlich PO, PN und WR, im Ausmaß abhängig vom Schweregrad des Traumas und vom derzeitigen Entwicklungsstadium der Wurzel;
  • bei partieller Luxation: häufig PO;
  • bei schwachem Trauma kann bei noch offenem Apex eine Pulpaheilung eintreten;
  • bei heftigem Trauma wie Intrusion oder Totalluxation bei abgeschlossenem Wurzelwachstum fast in jedem Falle PN (90%), jedoch bei offenem Apex Heilungschance zwischen 35% und 90%;
  • bei mechanischen oder toxischen Schädigungen von Ligament oder Wurzelzement resultiert meist eine WR, oft in Kombination mit einer Ankylose;
  • bei replantierten Zähnen wurde in 80% eine externe WR beobachtet.

Schlussfolgerung
Spätfolgen von Traumata bleibender Zähne sind ein häufiges Ereignis. Die Überlebensrate der drei Jahre zuvor geschädigten Zähne betrug 97%. Sie dürfte sich allerdings in einem längeren Beobachtungszeitraum vermutlich verringern. Die beschränkte Anzahl der nachuntersuchten Zähne, die retrospektive Methodik und die Tatsache, dass nur 41% der angeschriebenen Kinder zur Nachuntersuchung, erschienen sind, lassen sicherlich keine allgemeingültigen Aussagen über die Spätfolgen nach verschiedenen Typen von Zahnverletzungen zu. Es lassen sich jedoch Tendenzen erkennen, die eine geforderte Prognose sicherer machen können.


 
ZBay Online ©2000 Bayerische Landeszahnärztekammer
Online-Präsentation durch die Quintessenz Verlags-GmbH