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Trotz der enormen Anstrengungen, die in den letzten Jahren
bei der Entwicklung von Knochenersatzmaterialien unternommen wurden, steht
das autologe Transplantat immer noch unangefochten an der Spitze. Dies hat
vor allem biologische Gründe, die sich durch neuere Erkenntnisse in
der Zellbiologie und Biochemie zu einem guten Teil definieren lassen.
Autologe Spongiosatransplantation
Eine besondere Stellung nimmt das autologe Spongiosatransplantat ein, das
als eine echte Kombination von Knochen- und Knochenmarkstranplantation betrachtet
werden muss. Mit dem Knochenmark werden nicht nur Osteoblasten und Osteoklasten
transferiert, sondern vor allem deren Stammzellen, die einen beträchlichen
Teil der Stromazellen des Markes ausmachen. Aus den Stromazellen leiten sich
die mesenchymalen Stammzellen und Osteoprogenitorzellen ab. Nach einer
Aktivierung (Fraktur, Transplantation) vermehren sich diese mitotisch, wandern
zusammen mit Endothelzellen in die knochenbildenden Areale ein und differenzieren
sich zu matrixbildenden Osteoblasten. Der mit der Transplantation verbundene
osteogene Transfer darf nicht einer Osteoinduktion gleichgestellt werden,
bietet aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Allo- oder gar
Xenotransplantaten, deren Zellen der Immunabwehr des Wirtes zum Opfer fallen.
Künstliche Knochenersatzstoffe können in diesem Vergleich nur dann
einigermaßen mithalten, wenn sie mit wirtseigenem Knochenmark beimpft
werden, was aber den Vorteil eines weniger belastenden Eingriffs praktisch
wieder aufhebt.
Eine zweite Form des osteogenen Transfers bei der autologen Transplantation
ist an die Knochenmatrix gebunden. Diese enthält neben Kollagen und
Knochenmineral auch nichtkollagene Proteine, zu denen die wichtigen Kategorien
der Haftproteine, der kalziumbindenden Proteine, und vor allem zahlreiche
Wachstumsfaktoren und Promotoren der Knochenbildung gehören. Alle diese
Proteine sind in der Knochenmatrix gebunden und durch Knochenmembranen (Periost,
Endost, endokortikale Belegzellen) abgeschirmt. Beim Aufbrechen der Knochenmatrix
(Frakturen, chirurgische Eingriffe, Implantate etc.) werden diese Faktoren
für die körpereigenen Zellen zugänglich oder in die
Körperflüssigkeit freigesetzt. Dort lösen sie die grundlegenden
Vorgänge bei der Knochenregeneration aus. Insbesondere vermitteln die
Haftproteine (Osteopontin, Knochen-Sialo-protein) das Anheften von Osteoklasten
an die Knochenoberfläche, ohne die sowohl eine Resorption als auch eine
daran gekoppelte Knochenbildung nicht möglich sind.
Kortikospongiöse und kortikale autologe Transplantate
Die Kortikalis besteht zu rund 90% aus Knochenmatrix. Dies verleiht ihr als
Transplantat eine große Festigkeit. Demgegenüber steht die
zelluläre Komponente völlig im Hintergrund. Auch die in der Matrix
begrabenen Faktoren sind nicht direkt zugänglich. Erst
bei der Herstellung von kortikalen Spänen entstehen Bruchflächen,
an denen diese Promotoren freigelegt werden und bei der Aktivierung mitwirken
können (s. Abbildungen).
Allogene und xenogene Knochentransplantate
Das Interesse an diesen Formen der Knochentransplantation ist infolge der
immunologischen Komplikationen und des Risikos einer Übertragung von
Krankheitserregern fast völlig erloschen. Bei diesem Verfahren werden
menschliche und tierische Knochen zur Herstellung von Knochenersatzstoffen
herangezogen, die völlig zellfrei sind und deren Knochenmatrix entweder
entkalkt oder entproteinisiert wird.
Knochenersatzstoffe
Knochenersatzstoffe werden entweder aus natürlichen Produkten hergestellt
(Knochen, Korallen), oder synthetisch aus Kalzium und Phosphaten gewonnen
(poröse Kalziumphosphatkeramik).
Entkalkte allogene Knochentransplantate
Das Konzept derartiger Ersatzmaterialien basiert auf der Entdeckung, dass
die entkalkte Knochenmatrix über osteoinduktive Eigenschaften verfügt.
Dies führte zur Entdeckung des Bone Morphogenetic Proteins (BMP).
Industriell hergestellte Präparate sind u.a. das DFDBA (demineralized
freeze dried bone allograft), das insbesondere in den USA auch klinisch angewandt
wird. Experimentelle Prüfungen haben aber gezeigt, dass es über
keine, oder nur bedingt verlässliche osteoinduktive Eigenschaften
verfügt. Auch die mechanischen und osteokonduktiven Eigenschaften sind
unbefriedigend. Die eingebrachten Partikel werden erst nach einem Kontakt
mit neugebildetem Knochen rekalzifiziert und in dieser Form später umgebaut.
Entproteinisierte Ersatzmaterialien
Zu dieser Gruppe gehören Bio-Oss und Endobon, bei denen die Proteine
auf verschiedenen Wegen extrahiert werden. Das anorganische Knochenmineral
bleibt nahezu unverändert erhalten. Mit dem Kollagen werden auch
sämtliche nichtkollagenen Proteine entfernt, sodass mit einem osteogenen
Transfer nicht mehr gerechnet werden kann. Das Gerüst aus Hydroxylapatit
verfügt aber über gute osteokonduktive Eigenschaften, sofern sich
die Defektgröße bzw. Spaltbreite in Grenzen hält (+/- einige
Millimeter). Die Resorption bzw. Substitution des Knochenminerals erfolgt
aber nur langsam. Das Entfernen des Kollagens zerstört den Verbundbau
der Knochenmatrix, das Material erweist sich als ziemlich brüchig.
Poröse Keramiken werden entweder auf der Basis von Hydroxyl-apatit (HA)
oder Trikalziumphosphat (TCP) angeboten. HA-Keramik ist nicht resorbierbar,
TCP kann von Osteoklasten abgebaut und in der Umbauphase durch Knochen
substituiert werden. Voraussetzung für eine Osteokonduktion, d.h. für
das Einwachsen von Knochengewebe, sind eine geeignete Porengröße
und vor allem beim nicht resorbierbaren HA eine ausreichende
Porenkontinuität, die bei der Herstellung nicht so leicht zu realisieren
ist.
Kalziumphosphatkeramiken werden auch durch Umwandlung von Kalziumcarbonat
aus Korallen gewonnen (Interpore u.a.). Sie weisen eine für die
Osteokonduktion günstige Porenstruktur auf, sind aber nicht substituierbar.
Umgekehrt werden sie in nativer Form, d. h. als Kalziumcarbonat (z.B. Biocoral),
zu rasch und offenbar auch ohne Zelleinwirkung aufgelöst.
Ausblick
Auf dem Gebiet der Knochenersatzstoffe sind in den letzten Jahren Fortschritte
erzielt worden. Der durch die autologen Transplantate gesetzte Standard ist
aber bei weitem noch nicht erreicht.
Die Gründe dafür sind durch die biologischem Eigenschaften definiert.
Einige der heute erhältlichen Materialien dürften sich aber als
Trägersubstanzen für knocheneigene Proteine eignen, an denen intensiv
gearbeitet wird. Allerdings sind noch viele Probleme zu lösen, so die
Dosierung oder die Entwicklung einer Beschickungstechnik, die eine langsame
Freisetzung garantiert. Nicht zuletzt ist die richtige Kombination der
verschiedenen Faktoren anzustreben, die beim natürlichen Ablauf der
Knochenregeneration in einer bestimmten und zeitlich gestaffelten Reihenfolge
zum Einsatz kommen.
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| Abbildungen 1 bis 4: Kammaufbau im Unterkiefer mit
autologen Kortikalisspänen und Membranschutz. Biopsie nach acht Monaten
(Prof. D. Buser, Bern). Unentkalkter Knochenschliff, Färbung MC Neal´s
Tetrachrom.
Abbildung 1: Übersicht, zwei Kortikalisspäne sind an der
hellen Färbung erkennbar. Sie sind durch eine neugebildete
Knochenbrücke verbunden (dunkel gefärbt). 12:1.
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Abbildung 2: Die beim Trimmen erzeugten
Bruchflächen haben eine Apposition von vitalem Knochen ausgelöst.
Nur an der mit einem Pfeil markierten Stelle der Oberfläche hat eine
Resorption eingesetzt. 24:1.
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Abbildung 3: Der neugebildete Knochen weist
überwiegend eine Lamellenstruktur auf, nur an wenigen Stellen sind noch
Reste von Faserknochen sichtbar (Pfeil), die aus der ersten Phase der Einheilung
stammen. 50:1.
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| Abbildung 4: Die toten Kortikalisspäne werden
durch Havers´schen Umbau revitalisiert und substituiert. Dieser beginnt
mit der Bildung von Resorptionskanälen (Pfeil), die anschließend
durch Lamellenknochen aufgefüllt werden (Pfeilspitzen). 50:1.
Fotos: Klinik für Oralchirurgie, Bern
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