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Cranio-mandibuläre Dysfunktionen sind nur in ihren Anfangsstadien sicher und erfolgreich behandelbar. Bleiben diese Funktionsstörungen längere Zeit unentdeckt und unbehandelt, so beeinflussen sie nicht nur Nachbarsysteme, sondern haben nach und nach Funktionsstörungen (FS) im ganzen Körper zur Folge. Der Manualtherapeut Dr. Gernot Plato zeigt auf, wie sich aus einer "lokalen" FS eine chronische Erkrankung entwickelt.
An der Funktion eines Gelenkes sind beteiligt:
- Anteile der Materie/Struktur (Knorpelbandapparat, Kapsel, Diskus);
- Anteile der Energie (Muskeln, Bindegewebe, Faszien, Gefäße);
- Anteile der Steuerung (zentrales Nervensystem, periphere Nerven, autonomes Nervensystem).
Diese verschiedenen Anteile beeinflussen sich gegenseitig, Veränderungen an einem Anteil führen zwangsläufig zu Änderungen in den anderen Anteilen. Dies ist sowohl diagnostisch als auch therapeutisch nutzbar (s. Sebald).
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Dr. med. Gernot Plato
Studium der Humanmedizin in Heidelberg und Kiel. 1968 Promotion;
Facharzt für Orthopädie/Rheumatologie, Chirotherapie, Physikalische Therapie, spezielle Schmerztherapie.
Erlernen psychotherapeutischer Verfahren für chronifizierte Krankheitsbilder.
Langjährige interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verschiedenen Schmerzzentren und Kliniken für ZMK.
Niedergelassen in eigener Praxis in Rendsburg.
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Von der Interdependenz zum Regelkreis
- Im Regelkreisgeschehen kann jede äußere oder innere Störung zunächst kompensiert werden.
- Bestehende Dysfunktionen müssen daher zunächst vom Patienten - bei ausreichender Kompensationsmöglichkeit im System - noch nicht bemerkt werden. Sie können aber von einem erfahrenen Untersucher bereits (oft) schon diagnostiziert werden. Ist die ompensationsfähigkeit jedoch
(Zeitfaktor; weitere, hinzukommende Störfaktoren), so werden Symptome auftreten, die nicht nur der Untersucher feststellen kann, sondern die jetzt auch der Patient deutlich benennen kann.
- Die schwächsten Anteile bestimmen die Art und den Ort des Schmerzes.
Das heißt, wenn eine Dekompensation im CMS vorliegt, muss sie nicht im Kopfbereich weh tun, sondern sie kann sich z.B. als Schmerzen im Bereich der ersten und zweiten Rippe darstellen.
Der stärkste Schmerz muss nicht das führende Symptom sein.
Dysfunktionen wird man also zunächst im Bereich des Arthrons erwarten können. Setzen Diagnostik und Therapie früh genug ein, werden die Funktionsstörungen (FS) auf das Arthron beschränkt bleiben.
Die Therapie wird sich auf die Fehlfunktion im Arthron, die Besserung der Funktion und die Behebung der Schmerzsymptomatik beschränken können.
Das Arthron Kiefergelenk
Werden Dysfunktionen im Bereich des Arthrons Kiefergelenk erwartet, müssen die drei Anteile der Funktion - 1. Materie/Struktur, 2. Energie, 3. Steuerung - systematisch untersucht werden, um eine entsprechende Therapie einleiten zu können.
ad 1: Um Probleme im Bereich der Materie zu überprüfen, müssen folgende Strukturen untersucht werden:
- die Gelenkflächen,
- der Diskus,
- der Bandapparat,
- die bilaminäre Zone.
Des Weiteren werden beurteilt:
- Hart-/Weichgewebsveränderungen in der Mundhöhle,
- Zahnstellung und Okklusion,
- aktive Bewegung und deren passive Weiterführung (siehe Artikel von Dr. Kopp).
- Mundöffung, Mundschluss, Seitbewegung, Vor- und Rückgleiten des Unterkiefers,
- Geräusche des Kiefergelenkes.
ad 2: Um Probleme im Bereich der Energie zu überprüfen, müssen die folgenden Strukturen untersucht werden:
- die Muskulatur,
- die Faszien.
Sie werden beurteilt über:
- aktive Bewegung und deren passive Weiterführung,
- Endgefühl,
- Widerstandstests (isometrische Provokation),
- Prüfung der Kraft.
ad 3: Um Probleme im Bereich der neuralen Steuerung auszuschließen, muss untersucht werden:
- die Funktion der Hirnnerven.
Dysfunktionen im Bereich des Musters
Kann eine Adaptation im Arthron nicht mehr erfolgen wegen
- der Schwere der Schädigung der anatomischen bzw. funktionellen Strukturen, wegen
- hinzutretender Störmechanismen oder wegen
- des Zeitfaktors (lang dauerndes Bestehen der FS-Symptomatik)
ist die Kompensation im Arthron erschöpft. Es kommt zur Dekompensation; dadurch werden Fehlfunktionen über die physiologischen Verbindungen des Arthrons an seine Nachbarn weitergegeben, die dort ebenfalls Fehlfunktionen auslösen. Diese Weiterleitung kann sowohl über Faszien, Muskeln, Nerven als auch über Gefäße erfolgen. Wir sprechen dann nicht mehr von einer Dysfunktion im Arthron, sondern von einer Dysfunktion im Bereich des Musters.
Bei Ausbreitung der Dysfunktion im Rahmen des Musters sind beim Betroffensein des "Arthrons Kiefergelenk" Störungen in folgenden Bereichen zu erwarten:
- in den Kopfgelenken (z.B. via Schädelbasis),
- in der übrigen Halswirbelsäule (via Faszien, Muskeln, nervale Verschaltung),
- im Mundboden (via nervale Verschaltung, mediale Faszie, Zunge, Hyoid, Muskeln),
- im Bereich des Hyoids (via Faszien, Muskeln),
- in den Halsfaszien (via Mandibula, nervale Verschaltung, Muskulatur),
- in der oberen Thoraxapertur mit den Rippen 1 und 2 (via Muskulatur, Faszien),
- in der oberen Brustwirbelsäule bis T3 und T4 (via Muskulatur, Faszien).
Nach diesen Fehlfunktionen im Muster sollte gesucht werden, da bei diesen Patienten die Therapien nur im Bereich des Arthrons als nicht ausreichend anzusehen sind. Eine den jetzt bestehenden Dysfunktionsmustern entsprechende Ausweitung der Therapie ist notwendig, andernfalls ist der Weg zur weiteren Chronifizierung gebahnt. Eine interdisziplinäre, simultane, therapeutische Zusammenarbeit ist gefragt.
Verdächtig auf Dysfunktionen im Muster sind Schmerzsyndrome wie:
- Globusgefühl,
- Heiserkeit, Dysphonie,
- Schmerzen im Bereich des Mundbodens, der Zunge, des Zungengrundes,
- atypischer Gesichtsschmerz.
Bestehen bei Patienten neben den Dysfunktionen im CMS auch Beschwerden dieser Art, so sollte ein versierter Manualtherapeut hinzugezogen werden.
Dysfunktionen im Bereich der Verkettung
Unter dem Zeitfaktor - und bei weiter fortschreitender Dekompensation - werden weitere Organe und Organsysteme von der Dysfunktion erfasst werden. Diese können oft anatomisch weit ab von dem primären pathogenetischen Geschehen auftreten, sodass die Zusammenhänge (oft) nur schwer zu erkennen sind. Es handelt sich dann um Dysfunktionen im Bereich der Verkettung.
Die folgenden Strukturen sind besonders häufig bei der Verkettungssymptomatik an Fehlfunktionen beteiligt: die substernalen Faszien, das Diaphragma abdominalis, die Viszera, der Beckenboden, das Becken, der Coccyx, die übrige Wirbelsäule.
Bestehen neben der cranio-mandibulären Dysfunktion auch noch Beschwerden wie Cephalgie, Schwindel, Tinnitus, Atemnotsyndrome, funktionelle Herzbeschwerden, Darmstörungen, Störungen des Beckenbodens, so sollte interdisziplinäre Hilfe angefordert werden. Nach Ausschluss eines anderen pathologischen Geschehens - als den Funktionsstörungen - sollten die Dysfunktionen manualtherapeutisch/ostheopathisch unbedingt behandelt werden. Eine Behandlung nur der CMD würde mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen ausreichenden und bleibenden Erfolg bringen.
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