11/04/2020 | Nachrichten | Coronavirus Referat Honorierungssysteme

Pandemie-Pauschale – leistungsgerechte Honorierung

Wie Sie Kosten für Hygienemanagement abrechnen können

Als unzureichend bewertet die Bayerische Landeszahnärztekammer die vom GOZ-Beratungsforum akzeptierte Neuregelung bei der Corona-Hygienepauschale mit der Reduzierung auf den Einfachsatz und zeigt im folgenden Beitrag Alternativen auf.

Wegen der Corona-Krise sind sämtliche mit dem Hygienemanagement verbundenen Kosten deutlich gestiegen. Das betrifft nicht nur Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel, sondern hinzukommen geänderte Abläufe am Empfang, notwendige Gespräche mit den Patienten, zusätzliche Schutzmaßnahmen für wartende Patienten und ein höherer Zeitaufwand für die Reinigung und Lüftung von Behandlungszimmer und Praxis. Seit 1. Oktober kann die Corona-Hygienepauschale 3010a jedoch statt wie bisher mit 14,23 Euro nur noch mit dem Einfachsatz berechnet werden: in Höhe von 6,19 Euro pro Sitzung.

Zeit ist Geld und die für einzelne Behandlungsleistungen in der Praxis zur Verfügung stehende Zeit können Zahnärzte auf einen Blick in der „Bayerischen Tabelle 2020“ einsehen. Legt man den vom Bundesministerium für Gesundheit abgeleiteten Stundensatz von 265 Euro zugrunde, der sicherlich nur auf kleinere Praxen zutrifft und nicht auf Ballungsgebiete, so entsprechen:

  • 6,19 Euro (1-facher Satz) einer Arbeitszeit von 1,4 Minuten,
  • 14,23 Euro (2,3-facher Satz) einer Arbeitszeit von 3,2 Minuten,
  • 21,65 Euro (3,5-facher Satz) einer Arbeitszeit von 4,9 Minuten.

Honorarvereinbarung als Ausgleich

Die von der BLZK empfohlene Alternative zum einfachen Satz der Corona-Hygienepauschale ist der Abschluss einer entsprechenden Honorarvereinbarung mit dem Patienten gemäß § 2 Abs. 1 und 2 GOZ (Abrechnungsbeispiel für reduziertes Restgebiss auf der folgenden Seite). Der Patient erhält dann zwar möglicherweise keine Erstattung, ist aber verpflichtet, die Summe, die der ehemaligen Hygienepauschale entspricht, in jedem Fall zu bezahlen. Statt einer Honorarvereinbarung kann nach § 5 Abs. 2 GOZ der Steigerungsfaktor erhöht werden, falls dieser nicht durch andere Erfordernisse bereits bis 3,5-fach ausgeschöpft ist.

Professionelle Zahnreinigung

Nach Angaben der Bundeszahnärztekammer ist die Professionelle Zahnreinigung die mit Abstand am häufigsten abgerechnete Leistung der GOZ. Laut Hochrechnung der GOZ-Analyse entfielen im Jahr 2018 über 43 Prozent aller abgerechneten Leistungspositionen bei privat Vollversicherten auf diese Gebührenziffer. Infolge der Corona-Krise sind jedoch gerade in puncto Prophylaxe extreme Einbußen zu verzeichnen – ausgerechnet also in einem Bereich, in dem es kaum Nachholeffekte geben wird.

Berechnungsmöglichkeit der PZR

Die PZR ist eine Komplex-Position, die nicht einfach analog in Rechnung gestellt werden darf. Die Berechnung muss stattdessen zahnbezogen gemäß der Leistungsbeschreibung zur Position 1040 GOZ erfolgen.

In der Praxis ist der Ablauf wie folgt:

  • Die Professionelle Zahnreinigung wird zahnbezogen in die EDV eingegeben.
  • Um den mit dem Patienten vereinbarten Preis für die Professionelle Zahnreinigung zu erreichen, gibt es die Möglichkeit, in der EDV auf Betragsabfrage zu klicken.
  • Bei der Betragsabfrage gibt man den gewünschten Betrag ein: zum Beispiel 80 Euro.
  • Die EDV errechnet anschließend die Steigerungsfaktoren und stellt die Rechnung auf 80 Euro aus.

Zahnarztpraxen, die im Rahmen einer PZR-Privatbehandlung eine Pandemie-Pauschale in Höhe der bisherigen Hygiene-Pauschale (14,23 Euro) berechnen möchten, können bei der Betragsabfrage den Betrag von 80 auf zum Beispiel 95 Euro erhöhen (bei GKV-Versicherten besteht die Pflicht einer Vereinbarung gemäß BMV-Z § 8 Abs. 7). Die bisherige Pauschale mit der GOZ-Nr. 3010a erscheint dann nicht auf der Rechnung, die wie oben beschrieben auf 95 Euro ausgestellt wird.

Wenn der Patient nur noch wenige Restzähne hat, der Zeitaufwand und die Umstände der Behandlung aber trotzdem ein höheres Honorar erfordern, haben Zahnärzte zwei Möglichkeiten, um den kostendeckenden Betrag für ihre Praxis zu erzielen (siehe Muster unten):

  1. den gewünschten Rechnungsbetrag bei der Betragsabfrage durch einen höheren Steigerungsfaktor zu erreichen oder
  2. weitere erbrachte Leistungen (aus der GOZ oder als Analogleistung) zusätzlich zu berechnen.

Muster: Honorarvereinbarung nach § 2 Abs. 1 und 2 GOZ (PDF | 237 KB)

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