07/17/2020 | Nachrichten | Coronavirus

Tiefe Spuren hinterlassen

Corona-Krise zeigt auch in Zahnarztpraxen Wirkung

Die Coronavirus-Pandemie hat beim Großteil der deutschen Unternehmen zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt. Obwohl die Bundesrepublik im Vergleich zu anderen europäischen Staaten noch glimpflich davongekommen ist, sind die wirtschaftlichen Folgen größer als bisher angenommen – auch für Zahnärzte. Das zeigt eine repräsentative Erhebung der Bundeszahnärztekammer.

Im Bundesdurchschnitt schätzen Zahnarztpraxen den Rückgang ihres Arbeitsaufkommens im Zeitraum zwischen Anfang Februar und Anfang April auf über 50 Prozent. Je nach Infektionsgeschehen und länderspezifischen Regelungen variieren die Einschätzungen dabei zwischen 40,5 und 59,2 Prozent. In die Auswertung einbezogen wurden Antworten von mehr als 1000 Zahnarztpraxen aus dem GOZ-Analyse-Panel der Bundesorganisation. Aufgrund der Struktur des Panels sind repräsentative Hochrechnungen auf Bundes- wie auf Länderebene möglich.

Minus bei Sprechzeiten

Für ihre Patienten blieben die Praxen während der Corona-Krise zwar flächendeckend erreichbar, die Sprechzeiten mussten aber um durchschnittlich mehr als ein Drittel (38,7 Prozent) reduziert werden. Am deutlichsten wirkte sich dies in Berlin aus (minus 43,2 Prozent). Im Durchschnitt waren Deutschlands Zahnärzte Anfang April 25,2 Stunden pro Woche in ihrer Praxis anwesend, darüber hinaus war jedoch die telefonische Erreichbarkeit außerhalb der Sprechzeiten gewährleistet.

Wegen der Coronavirus-Pandemie musste annähernd die Hälfte der Zahnarztpraxen (44,6 Prozent) ihren Betrieb auf Notfallbehandlung umstellen. Zur Begründung nannten die Teilnehmer der Umfrage den Infektionsschutz (38,1 Prozent), vorbeugende Empfehlungen der zahnärztlichen Körperschaften (28,0 Prozent), Terminabsagen von Patienten (27,1 Prozent) sowie fehlende oder knappe Schutzausrüstung in den Praxen (19,6 Prozent), wobei Mehrfachnennungen möglich waren.

Personeller Engpass

Als weiteren Grund gaben die Niedergelassenen den Personalmangel in ihrer Praxis an. Davon betroffen waren entweder die Zahnmediziner selbst oder zahnärzt liches Assistenzpersonal – beispielsweise wegen fehlender Kinderbetreuung oder weil sie zur Corona-Risikogruppe zählen.

Rund zwei Drittel der Praxen (69,8 Prozent) musste im Bundesdurchschnitt Kurzarbeit anmelden. Dieser Wert deckt sich mit der Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach beantragten bis Ende April etwa 27500 Zahnarztpraxen für insgesamt 152000 Praxisangestellte Kurzarbeitergeld, so der Ärztenachrichtendienst.

Appell an Patienten

Um die Einbußen zumindest teilweise wettzumachen, starteten die beiden zahnärztlichen Körperschaften in Bayern Mitte Juni eine groß angelegte Informationskampagne in regionalen Tageszeitungen und den beiden Rundfunksendern Bayern 3 und B5 aktuell (siehe BZBplus 7/2020). Unter dem Titel „Jetzt zum Zahnarzt gehen“ empfahlen die Bayerische Landeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns Patienten, bis Ende Juni einen ersten Kontrolltermin bei ihrem Zahnarzt zu vereinbaren und alle notwendigen Behandlungen durchführen zu lassen. „Je früher Karies, Zahnfleischentzündungen oder Erkrankungen der Mundschleimhaut erkannt werden, desto geringer sind die Folgen. Deshalb ist der regelmäßige Zahnarztbesuch – am besten einmal pro Halbjahr – so wichtig“, so der Initiator der Kampagne und Verantwortliche beider Organisationen, Christian Berger. Die Bundeszahnärztekammer rief die Patienten über Social-Media-Kanäle wie Twitter und Facebook ebenfalls zur Rückkehr in die Praxen auf.

Löchriger Schutzschirm

Der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, glaubt dennoch nicht daran, dass sich die immensen Verluste in den nächsten Monaten wieder ausgleichen lassen. „Dies ist organisatorisch und personell gar nicht möglich, arbeitsrechtlich können die Stunden ja nicht einfach hinten an die Öffnungszeiten drangehängt werden“, sagt er. Zugleich äußert er sein Unverständnis über den allzu löchrigen Schutzschirm für Zahnärzte: „Zahnmedizin ist viel ausstattungsintensiver als andere Fachbereiche. Warum gerade hier nicht die gleichen Schutzmechanismen greifen wie im restlichen Gesundheitssystem, ist faktisch nicht begründbar. Für die ohnehin kreditbelasteten Praxen ist diese Situation folgenschwer.“


Quelle: BZB 7-8/2020, S.8

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