10/25/2013 | Nachrichten | BLZK

Neue Behandlungskonzepte braucht das Land

54. Bayerischer Zahnärztetag: Premiere der neuen Gesundheitsministerin

Zahnmedizinische Behandlungskonzepte für fitte, aber auch für pflegebedürftige Senioren standen im Mittelpunkt des 54. Bayerischen Zahnärztetages in München. Am 24. Oktober wurde der Fachkongress für Zahnärzte und zahnärztliches Personal eröffnet.

Für Melanie Huml war es einer der ersten öffentlichen Auftritte seit der Vereidigung als Staatsministerin für Gesundheit und Pflege – und ihre Premiere beim Bayerischen Zahnärztetag. Vor den geladenen Gästen aus Politik, Standespolitik, Gesundheitswesen und Gesellschaft betonte die CSU-Politikerin, dass ihr ein „enger und offener Dialog“ mit den bayerischen Zahnärzten besonders wichtig sei. „Die Zukunft des Gesundheitswesens ist unsere gemeinsame Aufgabe. Dabei ist die BLZK ein wichtiger Partner für uns“, sagte Huml beim Festakt, der der gemeinsamen Fortbildungstagung der Bayerischen Landeszahnärztekammer, der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns und der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin vorausging.

Festakt 54. Bayerischer Zahnärztetag 2013
Festakt zum 54. Bayerischen Zahnärztetag 2013
Quelle: BLZK

Bekenntnis zu freien Heilberufen

Eine klare Absage erteilte die Gesundheitsministerin Bestrebungen aus Brüssel, das Recht der akademischen Heilberufe zu liberalisieren. Huml: „Freiberuflichkeit, Patientenschutz und Qualität müssen erhalten bleiben.“ In Berlin will sich Huml dafür einsetzen, die Approbationsordnung für Zahnärzte „endlich zu reformieren“. Entschieden trat die Ministerin den Plänen der SPD für eine „sogenannte Bürgerversicherung“ entgegen. Die Einführung der Bürgerversicherung würde weniger Qualität in der Gesundheitsversorgung und die Vernichtung von Arbeitsplätzen nach sich ziehen.

Prävention statt Heavy Metal

Der Präsident der BLZK, Prof. Dr. Christoph Benz, verglich die deutsche Zahnmedizin mit einer erfolgreichen Fußballmannschaft: „In den letzten 30 Jahren haben wir den Sprung von den Abstiegsrängen in die Champions League geschafft.“ Vorbei seien die „Heavy Metal-Zeiten“ in bundesdeutschen Zahnarztpraxen. „Seit den 1990er-Jahren werden jedes Jahr weniger Zahnfüllungen gelegt“, betonte Benz in seiner Rede. Energisch wehrte sich der BLZK-Chef gegen Angriffe der Europäischen Union auf das bewährte System der Selbstverwaltung: „Einen erfolgreichen Trainer wechselt man nicht aus!“

Pflegebedürftige im Fokus

Dr. Janusz Rat, Vorsitzender des Vorstands der KZVB, forderte die Politiker auf, die Prävention in Senioreneinrichtungen zu stärken. „Die vorgenommenen Gesetzesänderungen für die aufsuchende Behandlung von Patienten mit einer Pflegestufe können nur der erste Schritt gewesen sein“, sagte er. Nun gehe es darum, die Vorsorge in Altenheimen soweit auszubauen, „dass es gar nicht erst zu Akutfällen kommt“.

Weiterentwicklung mit Augenmaß

Der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, bezeichnete die Reform des Gesundheitswesens als „eine der schwersten politischen Aufgaben“ der neuen Bundesregierung. Er sprach sich für eine Weiterentwicklung mit Augenmaß aus. „Die Reform des dualen Systems ist möglich und kein koalitionspolitisches ,Kann‘.“ Daneben forderte er eine „praxisfeste Gebührenordnung mit einem Punktwert, der die zahnmedizinische Realität des Jahres 2013 widerspiegelt“.

Wie tickt die innere Uhr?

Mit dem Phänomen der inneren Uhr setzte sich der Leiter des Zentrums für Chronobiologie am Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Till Roenneberg, auseinander. „Unser Leben wird von zwei Uhren bestimmt. Die eine ist allgegenwärtig an der Wand oder am Handgelenk, die andere tickt im Körper“, sagte Roenneberg. Seitdem sich der Mensch fast ausschließlich in Gebäuden aufhalte und sich auch nachts unbegrenzt mit Licht versorgen könne, seien unsere Innen- gegenüber den Außenzeiten verstellt. Diese Diskrepanz führe letztlich zu einem „sozialen Jetlag“. Vor allem in den Industrieländern seien Schlafstörungen weit verbreitet, was auch volkswirtschaftliche Schäden anrichte.

Ehrenzeichen für Standespolitiker

Für hervorragende Verdienste um den zahnärztlichen Berufsstand zeichnete die BLZK drei langjährige Vorstandsmitglieder aus: den ehemaligen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, den früheren Kammerpräsidenten Prof. Dr. Dr. Joseph Kastenbauer und den Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Prof. Dr. Bernd Klaiber. Prof. Dr. Christoph Benz überreichte ihnen das Ehrenzeichen der BLZK.

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