12/14/2015 | compact aktuell | Info BWL Steuer und Recht

Bundesregierung beschließt Reform des Erbschafts- und Schenkungsteuerrechts

Reform der Erbschaftssteuer

Die Befreiung beziehungweise die Besteuerung von verschenktem beziehungsweise vererbtem Betriebsvermögen ist eine unendliche Geschichte. Bekanntlich hat das Bundesverfassungsgericht die gesetzlichen Regelungen der letzten Zeit stets als verfassungswidrig eingestuft und den Gesetzgeber aufgefordert eine Neuregelung zu schaffen, die dann verfassungsgemäß sein soll.  

Zusammenfassend lässt sich der nun vorgelegte Entwurf der Bundesregierung wie folgt darstellen:

Um keine Arbeitsplätze zu gefährden, will der Gesetzgeber weiterhin an einer besonderen Befreiung für Betriebsvermögen festhalten. Dabei soll der Erwerber (der Beschenkte oder der Erbe) ein Wahlrecht haben, ob er eine 85-prozentige oder eine 100-prozentige Verschonung vor der Erbschaft- und Schenkungsteuer haben möchte, wenn er bestimmte Voraussetzungen erfüllt.
 

Befreiung zu

85 %

100 %

Fortführungsdauer mit Nachweis das der unten genannte
Prozentsatz der Ausgangslohnsumme innerhalb der
Haltedauer nicht unterschritten wird

5 Jahre

7 Jahre

Unternehmen mit bis zu:

 

 

3 Beschäftigten (Verzicht auf die Prüfung
der Lohnsummenregelung)

 

 

4 bis 10 Beschäftigte

250 %

500 %

11 bis 15 Beschäftigte

300 %

565 %

Mehr als 15 Beschäftigte

400 %

700 %


Beschäftigte in Mutterschutz oder Elternzeit, Langzeiterkrankte und Auszubildende werden nicht mitgerechnet.

Beim Erwerb von Unternehmen mit einem begünstigten Vermögen von mehr als 26.000.000 Euro gibt es besondere Vorschriften, auf die hier nicht eingegangen wird.

Anmerkung:

Wollen Sie Ihre Praxis eines Tages auf eines Ihrer Kinder übertragen, wird es in aller Regel sinnvoll sein, diese nicht zu verschenken oder zu vererben, obwohl dieser Erwerb unter den oben genannten Voraussetzungen schenkungs- bzw. erbschaftsteuerfrei wäre.

In den allermeisten Fällen lässt sich das Übertragen des Vermögens auf die Kinder auch ohne diese Begünstigung so gestalten, dass keine Schenkungs- bzw. Erbschaftsteuer anfällt. Das muss allerdings rechtzeitig geplant und begonnen werden. Bitte beachten Sie hierzu auch das weiter unten erwähnte Seminar „50plus – Erben und Vererben“ in Veitshöchheim.

Meist ist es sinnvoll, dass das Kind Ihre Praxis kauft und den Kaufpreis entrichtet, den auch ein fremder Erwerber zahlen würde. Hintergrund ist, dass das Kind diesen Kaufpreis in ca. 5 bis 10 Jahren vollständig abschreiben kann und dabei eine Steuerminderung von in der Regel 42 bis 45 Prozent erhält. Wenn Sie als Übergeber bereits das 55. Lebensjahr vollendet haben, erhalten Sie grundsätzlich den ermäßigten Steuersatz bei Betriebsveräußerungen, der meist nur 22 Prozent beträgt. Dieses Steuersatzgefälle zwischen 22 und 45 Prozent ist der Einkommensteuervorteil auf die Familie gesehen. Die Steuerersparnis kann recht hoch sein, sodass meist die Begünstigung des Betriebsvermögens bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer in den Hintergrund tritt. Sollten Sie hier Beratungsbedarf haben, sprechen Sie uns bitte rechtzeitig an oder/und besuchen Sie eines der beiden genannten Seminare.

Hinweis: Dieses Seminar wird im 1. Halbjahr 2016 auch noch in Nürnberg und Bayreuth stattfinden, hier werden wir ebenfalls referieren.

Vorsicht Falle bei der Zahlung von Beiträgen zur Basisaltersversorgung (Ärzteversorgung, Rürup-Produkten und gesetzliche Rentenversicherung)

Für die steuerliche Berücksichtigung von Beiträgen zur sogenannten Basisaltersversorgung gilt eine gesetzliche Höchstgrenze von jährlich 22.172,00 Euro bei Ledigen und 44.344,00 Euro bei Verheirateten. Diese Grenze ist rechtlich umstritten, hat leider aber bisher Bestand.

Durch verschiedene Umstände, zum Beispiel durch Zusammenballung von Nachzahlungen Ärzteversorgung und laufender Beitragszahlung zur oder durch Beitragszahlungen zu einem Rürup-Produkt, kann es vorkommen, dass die vorgenannten Grenzen überschritten werden. Die übersteigenden Beiträge sind steuerlich nicht abzugsfähig und sollten deshalb unbedingt vermieden werden.

Falls möglich gestalten Sie Ihre Beitragszahlungen, zum Beispiel durch teilweise Verlagerung in das nächste Jahr so, dass die oben genannten Grenzen eingehalten werden. Gerne stehen wir Ihnen zur Prüfung der Frage, ob Sie die Grenzen eventuell überschreiten und ob und wie das gegebenenfalls vermieden werden kann zur Verfügung.

Quelle: Kanzlei Fuchs & Martin, Würzburg/Volkach


Info BWL/Steuer/Recht ist ein Service-Angebot der Bayerischen Ärzte- und Zahnärzteberatung GmbH (BÄZB), ein Kooperationspartner der eazf GmbH und BLZK im Bereich der Berufsbegleitenden Beratung.

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