10/24/2014 | Nachrichten | BLZK

Interdisziplinäres Denken wird immer wichtiger

55. Bayerischer Zahnärztetag mit Festakt eröffnet

Welche Rolle spielen Zähne und Kiefer im Netzwerk des menschlichen Körpers? Dieser Frage gehen seit heute die Teilnehmer des 55. Bayerischen Zahnärztetages nach. Das Credo der Fortbildungsveranstaltung: Weil immer mehr Zusammenhänge zwischen Mund- und Allgemeinerkrankungen entdeckt werden, erweitert sich das Diagnosespektrum des Zahnarztes – und damit auch die Verantwortung gegenüber den Patienten.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml lobte gestern Abend beim Festakt das Engagement der bayerischen Zahnärzte für die Mundgesundheit. „Die zahnmedizinische Versorgung in Bayern zeichnet sich durch hohe fachliche Kompetenz aus“, betonte die CSU-Politikerin zur Eröffnung des Fachkongresses vor 350 Gästen aus (Standes-)Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft in München. Handlungsbedarf sah sie jedoch bei älteren Menschen. „Mein Ziel ist es, die zahnmedizinische Versorgung von Pflegebedürftigen weiter zu verbessern“, erklärte Huml. Auch hier gab es viel Lob für die Zahnärzteschaft: Bereits vor mehr als zehn Jahren hatte die Bayerische Landeszahnärztekammer ihr „Patenzahnarzt-Konzept“ für stationäre Einrichtungen der Altenpflege auf den Weg gebracht.

Für die laufende Legislaturperiode kündigte Huml einen „Bayerischen Präventionsplan“ an. „Prävention ist eine wesentliche Säule im Gesundheitssystem. Mit unserem Konzept wollen wir alle Volkskrankheiten abdecken und möglichst viele Menschen erreichen“, sagte die Ministerin.

Benz: „Berufsstand hat sich umgekrempelt“

Der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK), Prof. Dr. Christoph Benz, ging in seiner Rede auf den Paradigmenwechsel von der kurativen zur präventionsorientierten Zahnheilkunde ein. „Die großen Erfolge der Zahnmedizin sind vor allem darauf zurückzuführen, dass sich der Berufsstand in den letzten Jahren komplett umgekrempelt hat. Dieser Prozess verdient höchsten Respekt.“ Ein Teil der Erfolgsgeschichte sei die Professionelle Zahnreinigung (PZR): „Dadurch bekommen die Patienten das Gefühl, dass sie etwas für sich tun können.“ Benz bedauerte, dass „manche Krankenkassen versuchen, dieses Erfolgsmodell zu unterlaufen“. PZR sei „nicht zu Flatrate-Preisen zu haben“.

Rat nimmt AOK in die Pflicht

Kritik am Finanzgebahren der AOK Bayern übte Dr. Janusz Rat, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB). „Wofür verhandeln wir denn über ein Leistungshonorar, sprich Punktwert, wenn dieser am Ende des Jahres Makulatur ist?“, fragte er im Zusammenhang mit den noch bis 23. Dezember laufenden „Puffertagen“. Rat weiter: „Der Erhalt einer wohnortnahen zahnmedizinischen Versorgung im Flächenstaat Bayern ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, zu der auch die AOK Bayern ihren Beitrag leisten muss.“ Vor allem für Praxen mit einem hohen Anteil an AOK-Versicherten bedeuteten die Puffertage „ein wirtschaftliches Risiko“.

Engel: „Hervorragende Qualität ausbauen“

Der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, appellierte in seiner Ansprache an den Zusammenhalt der Zahnärzte in Deutschland: „Nur wenn es gelingt, ein einheitliches Gesamtbild in der Öffentlichkeit zu schaffen, das transparent und nachvollziehbar bleibt, besitzt der Berufsstand politische Möglichkeiten der Einflussnahme. Und nur mit einem kollektiven Selbstverständnis können wir den Herausforderungen des Berufsstands begegnen, diese diskutieren und die nötigen Wandlungsprozesse gemeinsam vorantreiben – immer mit dem Ziel, die hervorragende Qualität der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland zu erhalten und auszubauen.“

Gesellschaft gefangen im Netz?

Dass kaum etwas tiefer in die verschiedenen Gesellschaftsbereiche eindringt als das Internet, verdeutlichte der Autor und Blogger Sascha Lobo in seinem Festvortrag. Sein Thema lautete: „Zukunft Internet – Was das Netz mit der Gesellschaft macht“. Anschaulich erklärte der Spiegel Online-Kolumnist, in welche Richtung sich die Gesellschaft auf dem Weg der Digitalisierung aller Lebensbereiche entwickelt. Die sogenannten „Sozialen Netzwerke“ haben mittlerweile ganze Wirtschaftszweige revolutioniert. „3-D-Drucker, elektronische Zahnbürste mit Smartphone-Schnittstelle oder ,Smart-Tooth‘ – auch die Zahnmedizin wird in den nächsten Jahren Teil der Datenwirtschaft“, prognostizierte der Internet-Vordenker. Sein Rat an die Verantwortlichen von Zahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen: „Passen Sie auf, was mit diesen Daten passiert und behalten Sie die Kontrolle. Sie sind es der Gesellschaft schuldig!“

Auszeichnung für Kempter

Mit dem Ehrenzeichen der BLZK wurde der Präsident des Verbandes Freier Berufe in Bayern, Dr. Fritz-Eckart Kempter, ausgezeichnet. „Wie sein Vorgänger Dr. Wolfgang Heubisch steht er für eine bessere Vernetzung der Freien Berufe“, betonte BLZK-Präsident Prof. Dr. Christoph Benz in seiner Laudatio. Durch Kempters unermüdlichen Einsatz hätten die Freien Berufe ihr Profil in der Öffentlichkeit geschärft.

„Zahn trifft Medizin“

Der 55. Bayerische Zahnärztetag wird heute und morgen fortgesetzt. Der wissenschaftliche Kongress für Zahnärzte steht unter dem Motto „Zahn trifft Medizin – Zähne und Kiefer im Netzwerk des Körpers“. Die Vorträge widmen sich schwerpunktmäßig der zahnärztlichen Behandlung im Zusammenwirken mit allgemeinmedizinischen Fragestellungen. Die parallel stattfindende Fortbildungsveranstaltung für Praxisangestellte trägt den Titel „Praxisupdate – Grundlagen, Trends und Innovationen“. Veranstalter des Fachkongresses sind BLZK und KZVB. Als Kooperationspartner für das wissenschaftliche Programm fungiert in diesem Jahr die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG).

(T. A. Seehuber)

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