08/24/2015 | Pressemitteilung

Lückenlose Versorgung von Asylbewerbern

BLZK: Flüchtlinge brauchen mehr als nur (zahn-)medizinische Akutversorgung

München – Die große Zahl von Flüchtlingen und Asylbewerbern und deren gesundheitlicher Zustand erfordern neue Wege bei der medizinischen und zahnmedizinischen Betreuung sowie eine zusätzliche adäquate Finanzierung. In einigen Bundesländern erhalten Flüchtlinge über eine Gesundheitskarte Zugang zur regulären gesundheitlichen Versorgung. In anderen Bundesländern – wie in Bayern – wird über das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) lediglich die ärztliche wie auch die zahnärztliche Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände gewährleistet. Sogenannte „geduldete“ Asylbewerber erhalten diese Leistungen nur, soweit dies im Einzelfall nach den Umständen unabweisbar geboten ist (§ 1a AsylbLG).
 
Nun hat sich der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK), Christian Berger, Kempten, dafür ausgesprochen, Flüchtlinge und Asylbewerber in den Praxen nicht nur in Schmerzfällen zu betreuen: „Eine an die zahnärztliche Erstbehandlung anschließende endodontologische, konservierende oder prothetische Behandlung ist derzeit nicht vorgesehen. Das bringt den Zahnarzt unter Umständen in Konflikt, Zähne zu entfernen, die erhalten werden könnten. Die Erfolge der Zahnärzteschaft bei der Vorbeugung von Erkrankungen zeigen deutlich auf, dass Vorbeugen auch preiswerter ist als die Versorgung von Spätschäden. Prophylaxe bei Kindern, Frühversorgung von Karies, die noch nicht schmerzhaft ist, und eine präventionsorientierte Zahnmedizin – all das wird bei der Behandlung von Flüchtlingen nicht vergütet. Gleiches gilt für die Vorbeugung und Behandlung von Parodontitis und viele andere Leistungen, die zum Standard einer zeitgemäßen Zahnheilkunde zählen. Einfache prothetische Versorgungen sollten nach einer Karenzzeit ohne großen bürokratischen Genehmigungsaufwand erlaubt sein.“
 
Diese Behandlungen nicht durchzuführen, verschärfe in vielen Fällen das Problem. Berger: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass eine große Zahl der allein in diesem Jahr rund 800000 Flüchtlinge und Asylbewerber, die nach Deutschland kommen, dauerhaft in unserem Land bleiben. Wenn wir sie zahnmedizinisch heute nur in Schmerzfällen betreuen, werden die Spätschäden ausgebliebener Versorgung künftig teurer sein als deren Frühbehandlung. Dabei ist selbstverständlich, dass diese Leistungen nicht aus den bestehenden Budgets der Krankenkassen finanziert werden können.“
 
Berger schließt sich damit einer Forderung des Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, an, Ärzte und Zahnärzte nicht zu „Sozialrichtern“ hinsichtlich notwendiger Untersuchungen und Behandlungen zu machen. Zugleich verweist der Präsident der BLZK darauf, dass Zahnärzte bereits vielerorts Flüchtlinge kostenfrei behandeln, so zum Beispiel in der Zahnarztpraxis des Münchener Malteser-Hauses, die ehrenamtlich vom Hilfswerk Zahnmedizin Bayern (HZB) unter der Schirmherrschaft der BLZK betreut wird. Nun sei die Politik am Zug, nicht nur Mittel für die Unterbringung von Flüchtlingen und Migranten zur Verfügung zu stellen, sondern auch für deren ärztliche und zahnärztliche Versorgung.
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