10/21/2016 | Pressemitteilung

Zahnerhalt statt Zahnersatz – Restauration versus Reparatur

57. Bayerischer Zahnärztetag: Wissenschaftlicher Kongress für Zahnärzte

München – Die Teilnehmer des 57. Bayerischen Zahnärztetages erhalten ein praxisorientiertes Update zur restaurativen Zahnheilkunde. Der zentrale Fortbildungskongress der bayerischen Zahnärzte findet vom 20. bis 22. Oktober 2016 in München statt. Veranstalter sind die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK) und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB). Kooperationspartner für das wissenschaftliche Programm ist die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung e.V. (DGZ).

Der 57. Bayerische Zahnärztetag steht unter dem Leitmotto „Zahnerhalt statt Zahnersatz – Restauration versus Reparatur“. Die Referenten widmen sich den unterschiedlichen Facetten der restaurativen Zahnheilkunde: Sie untersuchen das Spannungsfeld zwischen Restauration und Reparatur, beleuchten das Thema im Kontext von Parodontologie, Kariestherapie, Endodontie, Chirurgie und Zahnersatz, diskutieren das Für und Wider neuer Ansätze, Werkstoffe und Verfahren. Vertragszahnärztliche Fragestellungen runden das Spektrum ab.

Reparaturen und adhäsive Anwendungen

Die Experten vermitteln den Teilnehmern Neues aus Wissenschaft und Praxis. Den Auftakt gestaltet Prof. Dr. Reinhard Hickel, München, mit seinem Vortrag „Entscheidungsfindung: Wann Restaurationen reparieren und wann erneuern?“ Wurden defekte Restaurationen früher meist vollständig ausgetauscht, zeigt sich heute, dass Zahnhartsubstanz und Pulpa mithilfe von Reparaturen besser geschont werden können.

Wie sich mit direkten Kompositfüllungen höchste Ansprüche erfüllen lassen, erläutert Prof. Dr. Roland Frankenberger, Marburg, unter dem Thema „Bulk-Fill-Restaurationen – top oder Flop?“. Er stellt neue Möglichkeiten vor und gibt einen Überblick zu praxisrelevanten Fragen bei der Adhäsiv- und Schichttechnik mit unterschiedlichen Kompositen.

„Neue Adhäsive – neue Möglichkeiten?“ lautet die Fragestellung bei Prof. Dr. Bernd Haller, Ulm. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf den Universaladhäsiven. Haller analysiert die Stärken und Schwächen der einzelnen Adhäsivtypen und gibt Unterstützung bei der kompetenten Materialauswahl in der täglichen Praxis.

Ästhetik und neue Materialien

„Okklusale Rehabilitation mit Komposit“ ist der Vortrag von Prof. Dr. Thomas Attin, Zürich, überschrieben. Er stellt Konzepte zur Realisierung einer neuen Bisslage im Seiten- und zur Verbesserung der ästhetischen Situation im Frontzahnbereich dar. Dabei steht die Herangehensweise mit Kompositrestaurationen in direkter Adhäsivtechnik im Mittelpunkt. Ein weiteres Referat vertieft die ästhetischen Aspekte. Prof. Dr. Bernd Klaiber, Würzburg, zeigt, wie sich bei Zahnumformungen im Frontzahnbereich mit speziellen Kompositen ansprechende Ergebnisse erreichen lassen. Diese können einem Vergleich mit einer gelungenen laborgefertigten Restauration durchaus standhalten.

Heute existiert ein kaum überschaubares Spektrum an Materialien, in dem sich selbst Experten schwer zurechtfinden. Prof. Dr. Daniel Edelhoff, München, informiert zu neuen Keramiken und Hybridwerkstoffen und gibt eine Übersicht zu aktuellen zahnfarbenen CAD/CAM-Materialien, Indikationsbereichen und geeigneten Befestigungsmethoden.

Zahnerhaltung, Kariestherapie, Endodontie

Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle, Heidelberg, spricht über den Versorgungsbereich zwischen Premium- und Billigprodukten. Unter dem Thema „Mehr Zahnerhaltung – Problemlösungen in der restaurativen Zahnheilkunde“ erläutert er konkrete Beispiele. Das Wissen, dass der kariöse Prozess lange vor der Kavitation startet, stellt neue Anforderungen an Diagnostik und Therapie. In seinem Vortrag „Kariesdiagnostik und therapeutische Entscheidungsfindung“ präsentiert Prof. Dr. Rainer Haak, Leipzig, verschiedene Verfahren und bewertet sie kritisch.

Den zweiten Kongresstag startet Prof. Dr. Michael J. Noack, Köln, mit seinem Beitrag zu minimalinvasiver Kariestherapie. Durch schonende Verfahren werden auch die Prognose für Pulpaerkrankungen sowie der Zeitaufwand für „unangenehmes Bohren“ spürbar reduziert. Dr. Bijan Vahedi, M.Sc., Augsburg, referiert über „Postendodontische Restaurationen“. Er diskutiert die sinnvollen Restaurationsmöglichkeiten in Abhängigkeit von der noch vorhandenen Zahnhartsubstanz.

Parodontologie und Prophylaxe

Zahnärzte und Patienten wünschen sich für eine fundierte Planung zuverlässige Aussagen zum Langzeiterhalt parodontal geschädigter Zähne. Priv.-Doz. Dr. Bernadette Pretzl, Heidelberg, gibt einen Überblick über wissenschaftliche Daten und Möglichkeiten des Zahnerhalts mittels Parodontitistherapie.

„Prophylaxe in der Zahnheilkunde“ heißt der Beitrag von Prof. Dr. Christoph Benz, München. Er demonstriert, dass Prävention heute nicht mehr nur ein „Add-on“ zur restaurativen Zahnmedizin ist, sondern vielmehr deren neuer Kernbereich. Die Ergebnisse der aktuellen Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) unterstreichen dies.

Qualitätsförderung, Abrechnung, Chirurgie

Die KZVB gestaltet den vertragszahnärztlichen Teil des Bayerischen Zahnärztetages. Der erste Kongresstag widmet sich Qualitätsförderung und Abrechnung. Im Vortrag „Kein Grund zur Panik – Förderung der Qualität durch die KZVB“ erklärt Nikolai Schediwy, München, worum es bei den Neuregelungen zum Qualitätsmanagement geht.

Dr. Cornelius Haffner, München, wirft die Frage auf, ob die GKV-Endo noch zeitgemäß ist. Zwar bieten neue, sehr aufwendige Konzepte bei der Behandlung des Wurzelkanals viele Vorteile – angesichts der Endo-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) bleibt jedoch die Frage, wie bei gesetzlich Versicherten zu verfahren ist.

Am zweiten Kongresstag geht es im vertragszahnärztlichen Teil um Komposite. Wann ist ein Kompositaufbau die bessere Wahl, angesichts dessen, dass Komposite heute eine interessante Alternative zur Versorgung mit keramischen Teilkronen oder Veneers gerade im Frontzahnbereich sind? Dr. Axel Wiedenmann, Nürnberg, stellt Vor- und Nachteile anhand von Fallbeispielen heraus.

Ein chirurgisches Thema rundet das Spektrum des 57. Bayerischen Zahnärztetages ab. Prof. Dr. Dr. Mark Farmand, Nürnberg, zeigt in seinem Vortrag „Chirurgischer Zahnerhalt“ die „intentionelle Replantation“ als Versuch der Erhaltung eines Molars. Nach vorsichtiger Extraktion wird er extraoral wurzelbehandelt und wieder eingesetzt. Zudem geht Farmand auf die parodontalchirurgische Behandlung einer tiefen Tasche mit verschiedenen Aufbaumaterialien ein.

Kontakt

Leitung Geschäftsbereich Kommunikation, Koordination Zahnärztetag
Isolde M. Th. Kohl
Tel.: 089 230211-104

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KZVB, Leitung der Pressestelle
Leo Hofmeier
Tel.: 089 72401-184
Fax: 089 72401-276

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