10/21/2016 | Nachrichten | BLZK

57. Bayerischer Zahnärztetag eröffnet: Plädoyer für das bewährte System

Mit aktuellen Trends und Entwicklungen der restaurativen Zahnmedizin beschäftigen sich an diesem Wochenende etwa 1 500 Teilnehmer beim 57. Bayerischen Zahnärztetag in München. Der zweitägige Fachkongress steht unter dem Motto „Zahnerhalt statt Zahnersatz – Restauration versus Reparatur“. Gestern Abend wurde er mit einem Festakt eröffnet.

In seiner Eröffnungsansprache warb der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer, Christian Berger, für den Zusammenhalt im Berufsstand. „Im Vorfeld der Wahlen im Bund und in Bayern geht es darum, neben der Sacharbeit, die der Gesetzgeber den zahnärztlichen Körperschaften aufgetragen hat, unsere zahnärztlichen und freiberuflichen Positionen wieder deutlicher an die große Politik heranzutragen“, sagte er vor 350 Ehrengästen aus Politik, Standespolitik, Gesundheitswesen und Gesellschaft. Die freie Wahl von Arzt und Krankenkasse, die Eigenverantwortung der Versicherten, Solidarität, Selbstverwaltung und eine angemessene Vergütung zahnärztlicher Leistungen seien „Grundprinzipien des Gesundheitssystems“. An ihnen dürfe nicht gerüttelt werden.

Gegen „Einheitsversicherung“

Eine klare Absage erteilte der Kammerpräsident den Plänen für die Einführung einer Bürgerversicherung. Berger sprach in diesem Zusammenhang von einer „Einheitsversicherung“, die es mit all ihren negativen Auswirkungen zu verhindern gelte. „Wir Zahnärzte werden für den Erhalt des Dualen Systems eintreten und dabei ein fairer Partner unserer Patienten, aber auch der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung sein“, versprach er.

Erfolgreiche Präventionsstrategie

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml bescheinigte den bayerischen Zahnärzten nachhaltige Erfolge bei der Prävention von Zahnerkrankungen. „Dass heute mehr als 80 Prozent der zwölfjährigen Mädchen und Buben ein kariesfreies Gebiss haben, ist vor allem Ihr Verdienst“, sagte die CSU-Politikerin.

Kritik am geplanten GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz

Als überzogen bewertete Huml den Entwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für ein „GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz“. Sie habe zwar Verständnis für die Gesetzesinitiative ihres Amtskollegen auf Bundesebene. Wo das Gesetz jedoch in Kernkompetenzen der Selbstverwaltung eingreife, „geht mir der Entwurf zu weit“, betonte die Staatsministerin.
Noch deutlichere Worte wählten der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, und der Vorsitzende des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns, Dr. Janusz Rat. Engel bezeichnete die Vorlage aus dem Bundesgesundheitsministerium als „Schwächungsgesetz, wenn nicht gar Verhinderungsgesetz der Selbstverwaltung“. Rat sprach von einem „Selbstverwaltungsvernichtungsgesetz“.

„Wissen erhalten – Praxis gestalten“

Der Bayerische Zahnärztetag wird heute und morgen fortgesetzt. Während der wissenschaftliche Kongress für Zahnärzte unter dem Titel „Zahnerhalt statt Zahnersatz – Restauration versus Reparatur“ steht, trägt die parallel laufende Fortbildungsveranstaltung für Praxisangestellte die Überschrift „Wissen erhalten – Praxis gestalten“. Veranstalter des Fachkongresses sind die Bayerische Landeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns. Als Kooperationspartner fungiert in diesem Jahr die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Hannig.

VOILA_REP_ID=C1257C99:002F5EB3