10/27/2017 | Nachrichten | BLZK

Politisch geprägter Auftakt

BLZK und KZVB eröffnen 58. Bayerischen Zahnärztetag

Mit aktuellen Trends und Entwicklungen der prothetischen Versorgung beschäftigen sich an diesem Wochenende 1 400 Teilnehmer beim 58. Bayerischen Zahnärztetag in München. Gestern Abend wurde der zweitägige Fachkongress mit einem Festakt eröffnet.

Politisches Trauerspiel

Im Mittelpunkt der Ansprachen stand die Diskussion über die Novellierung der aus dem Jahr 1955 stammenden Approbationsordnung für Zahnärzte. Mit Blick auf die Diskussion im Kultur- und im Finanzausschuss des Bundesrates sprach Christian Berger, der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer, von einem Trauerspiel. „Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird der Bundesrat die vom Bundesministerium für Gesundheit vorgelegte Novelle zur Approbationsordnung für Zahnärzte möglicherweise durchfallen lassen“, sagte er beim Festakt vor etwa 350 Ehrengästen aus Politik und Verbänden. Es sei nicht mehr hinnehmbar, dass sich bis auf Bayern und Baden-Württemberg alle Bundesländer gegen die Modernisierung der zahnmedizinischen Ausbildung stellen. Berger: „Wie sollen wir die vollmundigen Beteuerungen von Politikern, dass Bildung der wichtigste Grundstoff für eine gute Zukunft unseres Landes ist, noch ernst nehmen, wenn man eine Grunddisziplin der Medizin bei der Modernisierung der Ausbildung im Stich lässt?“


Blick über den Festsaal

Neben einer „Neugewichtung der Ausbildungsinhalte“ forderte Berger, der seit Jahresbeginn auch Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns ist, erneut die Anhebung des Punktwerts in der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Er gilt unverändert seit dem Jahr 1988. Seit fast drei Jahrzehnten sei der Verordnungsgeber im Bund nicht in der Lage, „die Grundlage der zahnärztlichen Vergütungsordnung an die steigenden Kosten in der Praxis anzupassen“, monierte er.

Keine Puffertage in diesem Jahr?

Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der KZVB, Dr. Rüdiger Schott, verteidigte in seiner Ansprache die aktuelle Vergütungsvereinbarung mit der AOK Bayern. „Wir haben gleichzeitig Rechtssicherheit für alle Beteiligten geschaffen und Rechtsstreitigkeiten, die bis ins Jahr 2009 zurück reichten, mit einem Kompromiss beendet.“ Ein wichtiges Ziel sei gewesen, sogenannte „Puffertage“, an denen für Versicherte einzelner Krankenkassen nur eingeschränkte Behandlungsmittel zur Verfügung stehen, möglichst zu vermeiden. Schott: „Wenn uns das gelingt, haben wir einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit unserer Patienten geleistet.“

Einzelpraxen bilden Rückgrat

Daneben forderte der KZVB-Vertreter, der auch Vizepräsident der BLZK ist, bessere Rahmenbedingungen für die Niederlassung. Der Zahnarztberuf sei einem fundamentalen Wandel ausgesetzt, der Trend zum Anstellungsverhältnis unübersehbar. Schott: „Wir halten am Ideal des freiberuflich tätigen Zahnarztes fest. Die Einzelpraxis ist für uns kein Auslaufmodell, sondern das Rückgrat der Versorgung – gerade im ländlichen Raum.“

Zustimmung von der Ministerin

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml sprach sich ebenfalls für eine Reform der veralteten Approbationsordnung aus. „Wir brauchen eine moderne Ausbildungsordnung. Die Gesundheitsminister der Länder halten die Novelle ebenso wie die zahnärztliche Berufsvertretung für überfällig“, betonte sie. Die CSU-Politikerin bedauerte, dass der Ausschuss für Kulturfragen des Bundesrats gegen die Stimmen Bayerns und Baden-Württembergs den vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf abgelehnt habe, versicherte aber gleichzeitig: „Die neue Approbationsordnung steht weiter auf der bayerischen Agenda.“

Trumps Inszenierung

Der frühere US-Botschafter in Berlin, John Kornblum, richtete seinen Blick auf die Weltpolitik. „Wir leben in einer Zeitenwende, in der sich Teile der Gesellschaft ausgestoßen fühlen“, sagte er in seiner Festrede. Als mögliche Ursachen nannte Kornblum die digitale Revolution und die Globalisierung. Der ehemalige Diplomat sprach in diesem Zusammenhang von einer „Phase der Emotionalität“, in der Fakten offenbar eine untergeordnete Rolle spielen. Populisten wie der neue US-Präsident Donald Trump hätten sich diese Entwicklung, begünstigt durch die Sozialen Medien, zunutze gemacht. Mit dem mächtigsten Mann der Welt ging Kornblum hart ins Gericht: „Trump hat keine Ideologie, seine Politik ist eine Inszenierung.“

„Prothetik ist mehr als Zahnersatz: Zähne – Kiefer – Gesicht“

Der 58. Bayerische Zahnärztetag wird heute und morgen fortgesetzt. Während der wissenschaftliche Kongress für Zahnärzte ganz im Zeichen der Prothetik steht, trägt die zeitgleich stattfindende Fortbildungsveranstaltung für das Praxispersonal den Titel „Können & Wissen = Kompetenz“. Veranstalter des Fachkongresses ist die BLZK, unterstützt von der KZVB. Als Kooperationspartner fungieren in diesem Jahr die Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) und der Bundesverband der implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa (BDIZ EDI).

Bildergalerien zum
58. Bayerischer Zahnärztetag

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Festakt
Kongress Zahnärzte
Kongress Zahnärztliches Personal

Programm zum 58. Bayerischen Zahnärztetag 2017

Programm zum 58. Bayerischen Zahnärztetag 2017

Programm (PDF | 2 MB)

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