07/16/2019 | Nachrichten | Referat Freie Berufe und Europa

Keine Sonderregeln für Dentalketten

Auf der Frühjahrsvollversammlung in Wien haben sich die Delegierten des Dachverbandes der europäischen Zahnärzte, des Council of European Dentists (CED), dafür ausgesprochen, dass nicht nur der einzelne Zahnarzt, sondern auch Dentalketten als juristische Personen den gleichen berufsrechtlichen Regeln unterworfen sein müssen. Nur so sei eine einheitliche Fachaufsicht zum Schutz der Patienten sichergestellt.

Der aus Italien stammende Präsident des CED, Dr. Marco Landi, betonte, er beobachte mit Sorge das wachsende Engagement von Finanzinvestoren, deren Hauptziel die Gewinnmaximierung sei. Aus Landis Sicht besteht die Gefahr, dass diese Entwicklung zulasten der Versorgungsqualität geht und sich damit gegen die Interessen der Patienten wendet. Bei der nächsten CED-Vollversammlung soll daher eine Resolution verabschiedet werden, wonach alle zahnärztlichen Einrichtungen, ungeachtet ob Einzelpraxis oder Dentalkette, dem gleichen Berufsrecht und – soweit vorhanden – der Kontrolle der zuständigen Zahnärztekammern unterliegen müssen, um eine gute Qualität der Patientenversorgung sicherzustellen.

Weitere Schwerpunkte und Kritik

Weitere Schwerpunkte der Beratungen in Wien waren aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen auf europäischer Ebene und die Auswirkungen des EU-Binnenmarktes für Dienstleistungen auf die zahnärztliche Versorgung. Inhaltlich knüpfte der CED an die Umsetzung der im vergangenen Jahr verabschiedeten EU-Richtlinie für eine Verhältnismäßigkeitsprüfung von Berufsrecht sowie die jüngste Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Werbung von Zahnärzten an. Die Delegierten verabschiedeten zudem das Weißbuch „Prävention in der Zahnmedizin“ und eine Stellungnahme zu (Zahn-)Arztbewertungsportalen im Internet.

Kritisch äußerte sich der CED zur schleppenden Umsetzung des neuen EU-Rechtsrahmens für Medizinprodukte. Die Verzögerungen könnten dazu führen, dass es ab Mitte 2020 zu Problemen bei der Versorgung mit Dentalmaterialien kommt.


Quelle: BZB 7-8/2019, S. 31

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