Quarantäne und Entschädigung

Quarantäne in der Zahnarztpraxis

Wird ein Patient oder eine andere Kontaktperson in der Praxis (z.B. Praxisinhaber, Mitarbeiter) positiv auf den SARS-CoV-2-Erreger getestet, legen die Gesundheitsämter die weiteren Maßnahmen fest. Dazu gehört auch die Entscheidung darüber, ob und gegebenenfalls für welche Personen eine behördliche Quarantäne angeordnet wird. Eine Quarantäne wird in der Regel für enge Kontaktpersonen ausgesprochen. Das Robert Koch-Institut (RKI) definiert diese wie folgt:

Enge Kontaktpersonen (mit erhöhtem Infektionsrisiko) sind Kontaktpersonen zu einem bestätigten COVID-19-Fall bei Vorliegen mindestens einer der folgenden Situationen:

  1. Aufenthalt im Nahfeld des Falls (<1,5 Meter) länger als zehn Minuten ohne adäquaten Schutz (adäquater Schutz = Fall und Kontaktperson tragen durchgehend und korrekt Mund-Nasen-Schutz (MNS) oder FFP2-Maske).
  2. Gespräch mit dem Fall (Face-to-face-Kontakt, <1,5 Meter, unabhängig von der Gesprächsdauer) ohne adäquaten Schutz oder direkter Kontakt (mit respiratorischem Sekret).
  3. Aufenthalt von Kontaktperson (und Fall) im selben Raum mit wahrscheinlich hoher Konzentration infektiöser Aerosole unabhängig vom Abstand für länger als zehn Minuten, auch wenn durchgehend und korrekt MNS oder FFP2-Maske getragen wurde.

Infografik: Kontaktpersonennachverfolgung bei SARS-CoV-2-Infektionen (PDF | 231 KB)

Für die Zahnarztpraxis gilt wie im Bereich der medizinischen Versorgung allgemein die folgende Besonderheit:

Sofern die BAuA-Empfehlungen zum Einsatz von Schutzmasken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 durch Praxisinhaber und Personal bei der Patientenversorgung eingehalten wurden, d.h. das Tragen der FFP2-Maske als persönliche Schutzausrüstung bei der Patientenversorgung, werden diese nicht als enge Personen eingestuft. Daraus ergibt sich, dass für sie kein Anlass für eine Absonderung (Quarantäne) besteht.

Erhält man vom Gesundheitsamt die Mitteilung, dass man engen Kontakt zu einem bestätigten COVID-19 Fall hatte, zählt man zu den engen Kontaktpersonen und muss sich direkt in Quarantäne begeben.

Die Quarantänepflicht gilt nach der Allgemeinverfügung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege (AV Isolation) vom 31.08.2021, 09.09.2021 und 15.09.2021 nicht für:

a) enge Kontaktpersonen, die vollständig gegen COVID-19 geimpft sind (ab Tag 15 nach der abschließenden Impfung),
b) enge Kontaktpersonen, die von einer PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Infektion genesen sind und mit einer Impfstoffdosis geimpft wurden (ab dem Tag der Impfung) und
c) enge Kontaktpersonen, die von einer PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Infektion genesen sind, wenn die zugrundeliegende Testung mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate zurückliegt.

Der Impfnachweis und der Nachweis der vorherigen SARS-CoV-2-Infektion sind dem Gesundheitsamt auf Anforderung vorzulegen.

Von dieser Regelung kann das Gesundheitsamt im Einzelfall eine abweichende Entscheidung treffen und eine Quarantäne anordnen, sofern innerhalb von 14 Tagen ab dem engen Kontakt zu dem bestätigten Fall von COVID-19 Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 wie Husten, Fieber oder Geschmacks- und Geruchsverlust auftreten. Treten sie ein, ist das Gesundheitsamt unverzüglich zu informieren.

Vollzug des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) – Quarantäne von Kontaktpersonen und von Verdachtspersonen, Isolation von positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getesteten Personen (AV Isolation) (PDF | 213 KB) vom 31.08.2021, 09.09.2021 und 15.09.2021

RKI-Definition der Kontaktperson

Bundeszahnärztekammer zum Thema „Quarantäne in der Zahnarztpraxis

Hinzuweisen ist auch auf die S1-Leitlinie: „Umgang mit zahnmedizinischen Patienten bei Belastung mit Aerosol-übertragbaren Erregern“ der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) AMWF-Registernummer: 083-046, die als Handlungsempfehlung dient. Für die zahnärztliche Grundversorgung von gesunden bzw. asymptomatischen Patienten besteht nach ihr starker Konsens über das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes der Angestellten auch außerhalb des Behandlungszimmers, beziehungsweise die Einhaltung des Abstandsgebotes, auch in den Pausen und Umkleideräumen.

Leitlinie: Umgang mit zahnmedizinischen Patienten bei Belastung mit Aerosol-übertragbaren Erregern, Stand März 2021

Die vorstehenden Informationen sollen dem Praxisinhaber dabei helfen, die aktuelle Situation besser einzuordnen. Die Entscheidung über Art und Umfang der zu tragenden Schutzausrüstung muss der Praxisinhaber letztlich in eigener Verantwortung treffen.

Entschädigung bei Praxisschließung und Absonderung

Wird die Praxis aufgrund behördlicher Anordnung geschlossen oder eingeschränkt oder erfolgt die Absonderung (Quarantäne) einer Person mit der Folge des Verdienstausfalls, bestehen Entschädigungsansprüche nach § 56 Infektionsschutzgesetz (IfSG).
 

Entschädigungszahlung (Verdienstausfall) arbeitsfähiger Mitarbeiter

Mitarbeiter, die aufgrund einer Absonderung nicht arbeiten dürfen aber nicht krank sind, erhalten den erlittenen Verdienstausfall ersetzt. Der Anspruch besteht für längstens sechs Wochen und ist dem Mitarbeiter vom Arbeitgeber für die Behörde zu bezahlen. Der Arbeitgeber erhält auf Antrag eine Erstattung von der zuständigen Behörde. Der Antrag ist innerhalb einer Frist von zwei Jahren ab dem Ende der Absonderung oder dem Ende der vorübergehenden Schließung bei der zuständigen Behörde zu stellen. Auf Antrag hat die zuständige Behörde dem Arbeitgeber einen Vorschuss zu gewähren.

Eine Entschädigungszahlung nach § 56 Abs.1 IfSG entfällt z.B. dann, wenn das Tätigkeitsverbot oder die Quarantäne auf eine unvermeidbare Reise in ein Risikogebiet nach § 2 Nr. 17 IfSG zurückzuführen ist. Entscheidend ist die Einstufung des Reisegebietes zum Zeitpunkt der Abreise. Eine Reise ist unvermeidbar, wenn sie zwingend und unaufschiebbar (z.B. touristischer Zweck) ist. Eine Entschädigung entfällt nach § 56 Abs. 1 S. 4,5 IfSG, wenn ein Mitarbeiter eine Urlaubsreise in ein zum Zeitpunkt der Abreise eingestuftes Risikogebiet vornimmt, für die keine zwingenden oder unaufschiebbaren Gründe bestanden und er sich nach Rückkehr in Quarantäne begeben muss.

Zuständige Behörden:

Regierung des jeweiligen Bezirks
 

Entschädigung des arbeitsfähigen Praxisinhabers

Auch der Praxisinhaber hat Anspruch auf Entschädigung für seinen Verdienstausfall, wenn er einem Tätigkeitsverbot oder einer Absonderung unterliegt. Ein Vorschuss in Höhe des voraussichtlichen Entschädigungsbetrages kann beantragt werden. Bei einer Existenzgefährdung können entstehende Mehraufwendungen auf Antrag in angemessenem Umfang von der zuständigen Behörde erstattet werden. Auf Antrag erhalten Praxisinhaber von der zuständigen Behörde auch Ersatz der in dieser Zeit weiterlaufenden nicht gedeckten Betriebsausgaben in angemessenem Umfang.

Zuständige Behörden:

Regierung des jeweiligen Bezirks

Zusätzliche Informationen entnehmen Sie dem Infoblatt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung „Coronavirus: Anspruch auf Entschädigung bei untersagter Tätigkeit oder Quarantäne – Hinweise und zuständige Behörden” (PDF | 380 KB) und dem Schreiben des Bundesgesundheitsministerium für Gesundheit vom 25.06.2021 „Ansprüche auf Ersatz des Verdienstausfalls für Arbeitnehmer und Selbstständige” (PDF | 842 KB). Die dort zusammengefassten Informationen zur Entschädigung bei der Schließung von Praxen aus infektionsrechtlichen Gründen gelten auch für Zahnärzte und Praxisteams.

Die Anträge (Formulare) auf Entschädigung Selbständiger und auf Erstattung von Arbeitgeberaufwendungen finden Sie auf den Seiten der jeweiligen Regierungen.
 

Stand: 21.09.2021

Kontakt

Bei Fragen zum Umgang in der Praxis mit dem Coronavirus

Tel.: 089 230211-340/-342
Fax: 089 230211-341/-343

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